Vor hunderten Schaulustigen haben starke Kräne den Säuretanker «Waldhof» im Rhein aufgerichtet. Die Bergungsspezialisten hoffen, dass die Wasserstraße bald wieder frei ist.

Zunächst wurde das Schiff sorgsam aufgerichtet.
Zunächst wurde das Schiff sorgsam aufgerichtet.

Zunächst wurde das Schiff sorgsam aufgerichtet.

Thomas Frey

Zunächst wurde das Schiff sorgsam aufgerichtet.

St. Goarshausen. Erfolg bei der Bergung des Säuretankers im Rhein: Einen Monat nach der Havarie ist das Schiff «Waldhof» von Bergungsspezialisten angehoben und gedreht worden. «Wir haben das Schlimmste hinter uns. Uns fallen viele Steine vom Herzen», sagte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Roger Rewentz (SPD), am Sonntagmittag. Im Wrack des Säure-Tankschiffs fand das Bergungsteam eine männliche Leiche. Zur Identität des Toten liegen noch keine Erkenntnisse vor.

Zuvor war befürchtet worden, das auf der Seite liegende Schiff könnte bei der Bergung auseinanderbrechen. Seit den Morgenstunden wurde Wasser aus den Tanks des Havaristen gepumpt, um ihm Auftrieb zu geben. Drei Kräne waren im Einsatz.

Am Mittag war das Schiff bereits fast in Normallage. Damit liefen die Bergungsarbeiten der Spezialfirma Mammoet, die 2001 das russische Atom-U-Boot «Kursk» aus den Tiefen der Barentssee gehoben hatte, deutlich schneller als erwartet.

Die Niederländer hatten zwei Tage dafür angesetzt. «Wir sind mit dem Verlauf mehr als zufrieden», sagte Lewentz. Es habe zum Schluss keine größere Probleme mehr gegeben. Auch habe er volles Vertrauen, dass die Experten auch den letzten Schritt meisterten: Das Schiff sollte danach ans Ufer gezogen werden.

Lewentz zog ein erstes Fazit: «Wir haben hier einen Großeinsatz zu bewältigen gehabt, wie man ihn am Rhein noch nicht gekannt hat.» Das 110 Meter lange Schiff war am 13. Januar mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord nahe des Loreleyfelsens aus ungeklärter Ursache gekentert. Zwei Besatzungsmitglieder wurden gerettet, zwei weitere Bootsleute wurden seither vermisst.

Möglichst noch am Sonntag sollten die Wohnräume in dem Wrack untersucht werden. Sie waren bisher nicht zugänglich. Die Familien der Vermissten sollten Klarheit über das Schicksal ihrer Angehörigen erhalten, hieß es. Auf dem Weg zur Bergung sahen sich die Experten immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt.

Erst verzögerte das Hochwasser die Anfahrt der Kräne, weil sie wegen des hohen Wasserstands nicht unter den Rheinbrücken durchkamen. Dann bildete sich wegen der Strömung eine mehrere Meter tiefe Mulde an der «Waldhof», das Schiff drohte abzurutschen.

Als diese Gefahr mit Hilfe weiterer Stahlseile gebannt war, entdeckten Chemiker, dass sich in der mit Wasser gemischten Säure Wasserstoff gebildet hatte. Stickstoff wurde deshalb tagelang in die Tanks gepumpt und verdrängte das hochexplosive Gas. Zuletzt musste die Einsatzleitung sogar ein Auseinanderbrechen des Havaristen fürchten.

Nachdem man angefangen hatte, die Säure aus einem der sieben Tanks zu pumpen, verbog sich der Schiffsrumpf. Aufgrund der enormen Spannung entstanden Beulen an dem Tanker. Die Behörden ließen daher kontrolliert Schwefelsäure in den Rhein ab. Bis auf einen Rest von 100 Tonnen wurde die Säure in den Fluss oder auf ein anderes Schiff gepumpt.

Behörden und Umweltschutzverbände sprachen von nur geringen Beeinträchtigungen der Natur. Beim Mischen der Chemikalie mit Wasser entstehen vor allem hohe Temperaturen.

Seit dem Schiffsunfall werden zwei Besatzungsmitglieder vermisst. Nachdem das Schiff angehoben und aufgerichtet worden war, konnte erstmals der Wohnbereich des Tankers untersucht werden. Aus diesen völlig zerstörten Räumen sei die Leiche geborgen worden. Zwei der vier Bootsleute waren nach dem Unfall am 13. Januar gerettet worden.

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