21 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama steht einer der Täter wieder in der Öffentlichkeit – im Drogenprozess.

Hans-Jürgen Rösner am Dienstag im Bochumer Amtsgericht und im August 1988, als er mit der Waffe demonstrierte, wie weit er zu gehen bereit sei.
Hans-Jürgen Rösner am Dienstag im Bochumer Amtsgericht und im August 1988, als er mit der Waffe demonstrierte, wie weit er zu gehen bereit sei.

Hans-Jürgen Rösner am Dienstag im Bochumer Amtsgericht und im August 1988, als er mit der Waffe demonstrierte, wie weit er zu gehen bereit sei.

dpa/WDR

Hans-Jürgen Rösner am Dienstag im Bochumer Amtsgericht und im August 1988, als er mit der Waffe demonstrierte, wie weit er zu gehen bereit sei.

Bochum. Diesen Auftritt hat Hans-Jürgen Rösner sichtlich genossen. Nach 21 Jahren Haft tauchte der Gladbecker Geiselgangster am Dienstag erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf - und wieder waren Fernsehkameras und Fotografen dabei. Der 52-Jährige wurde vom Bochumer Amtsgericht zu weiteren sechs Monaten Haft verurteilt. In seiner Gefängniszelle war Heroin gefunden worden.

Rösner erschien im Blaumann, war kaum wiederzuerkennen. Mehr Gewicht, weniger Haare. "Ich bin zum Verrecken verurteilt", sagte er den Richtern. Niemand kümmere sich um seine psychischen Probleme, nicht einmal seine Hepatitis-Erkrankung werde behandelt.

Es war im August 1988, als Rösner zusammen mit Dieter Degowski in Gladbeck eine Filiale der Deutschen Bank überfiel und Geiseln nahm. Bei dem Verbrechen starben drei Menschen. Rösner war dafür zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Frühester Haftprüfungstermin war ursprünglich der 26. Februar 2016. Durch die neue Verurteilung wegen Rauschgiftbesitzes wird dieser Termin nun nach hinten verschoben. Außerdem könnte sie dazu führen, dass die angeordnete Sicherungsverwahrung auch vollstreckt wird.

Ob Rösner noch gefährlich ist? Die Polizei hat die Frage am Dienstag mit einem massiven Sicherheitsaufgebot beantwortet. Rösner wurde durch eine Spezialeinheit in den Gerichtssaal geführt, seine Bewacher trugen Sturmhauben, schusssichere Westen und Pistolen. Auch während der Verhandlung blieben sie im Saal - einer an jeder Tür, zwei direkt hinter der Anklagebank. Rösner nahm den Aufwand offenbar gelassen. "Glauben Sie wirklich, dass mich die Strafe beeindruckt", fragte er die Richter. "Das geht mir auf Deutsch gesagt am Arsch vorbei."

Rösner war mit Heroin in seiner Zelle überrascht worden

Was ihn zermürbe, seien die vielen Sanktionen, die im Gefängnis gegen ihn erlassen würden. Manchmal steige einem das Ganze über den Kopf. "Dann kriegt man Phasen, wo man zuschlagen möchte", sagte Rösner den Richtern und fügte schnell noch hinzu: "Ich meine mit Heroin."

Rösner war im März bei einer unangemeldeten Kontrolle überrascht worden. In seiner Zelle war er gerade dabei, sieben Gramm Heroin in kleine Glasfläschchen umzufüllen. Rösner will die Drogen von einem Mitgefangenen erhalten haben. "Ich sollte das Heroin portionieren und über Nacht bunkern." Dafür habe er sich im Gegenzug bedienen dürfen. "Das ist voll mit Drogen - da in Bochum", sagte Rösner den Richtern.

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