Porträt: Am Montag spricht Richter Reinhold Baier die Urteile im Brunner-Prozess. Für ihn endet damit ein „Prozess wie alle anderen“. Mit jungen Gewalttätern hat der 54-Jährige viel Erfahrung.

Richter Reinhold Baier leitet die Jugendkammer des Münchner Landgerichts. Heute spricht er das Urteil im Brunner-Prozess.
Richter Reinhold Baier leitet die Jugendkammer des Münchner Landgerichts. Heute spricht er das Urteil im Brunner-Prozess.

Richter Reinhold Baier leitet die Jugendkammer des Münchner Landgerichts. Heute spricht er das Urteil im Brunner-Prozess.

dpa

Richter Reinhold Baier leitet die Jugendkammer des Münchner Landgerichts. Heute spricht er das Urteil im Brunner-Prozess.

München. Er gilt als einfühlsam, doch mangelt es seinen Entscheidungen nicht an Strenge. Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer am Münchner Landgericht, Reinhold Baier, hat seit Juli den Prozess um den gewaltsamen Tod des Managers Dominik Brunner geführt.

Bei den Aussagen bleibt er geduldig und hakt immer wieder nach

"Das kann ich absolut nachvollziehen, dass Ihnen nicht wohl in Ihrer Haut ist", wandte sich Baier zum Prozessauftakt fast väterlich an den 18-jährigen Sebastian L. Trotzdem lässt der 54-Jährige bei der Aussage anschließend nicht locker. Er hakt mehrfach nach, als Sebastian L. stockend beschreibt, wie er und sein Freund Markus S. tranken, kifften und an einem S-Bahnhof vier Schüler bedrohten, von denen sie Geld wollten. Es war der 12. September 2009.

Der Tatablauf konnte im Prozess so rekonstruiert werden: In der S-Bahn Richtung Solln sprechen die beiden Angeklagten Markus S. (damals 18) und Sebastian L. (17) weiter darüber, dass sie den Teenagern Geld abnehmen wollen. Nun schreitet Dominik Brunner ein, ruft per Handy die Polizei und bietet den Schülern an, mit ihm zusammen in Solln auszusteigen.

Auf dem Bahnsteig kommt es zu einem heftigen Wortgefecht. Strittig ist der genaue Ablauf des folgenden brutalen Angriffs (s. Kasten), in dessen Verlauf Brunner stirbt. Ein schwieriger Fall für Richter Reinhold Baier, der die Jugendkammer seit vier Jahren leitet. Aber Fälle dieses Kalibers sind für ihn nicht neu.

Bereits vor zwei Jahren hatte Baier die sogenannten U-Bahn-Schläger zu langen Haftstrafen verurteilt. Die beiden hatten einen Rentner lebensgefährlich verletzt, nachdem er sie auf ein Rauchverbot hingewiesen hatte. Mit zwölf Jahren Haft für den 20-jährigen Täter und achteinhalb Jahren für einen 17-Jährigen ahndete das Gericht die "völlig sinnlose Tat auf sittlich niedrigster Stufe", so Baier damals.

Parallel leitet Baier einen weiteren aufsehenerregenden Gewalt-Prozess

Bei der Urteilsfindung geht es um die Frage: Wurde Dominik Brunner ermordet oder war es eine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge? Die Staatsanwaltschaft wirft dem Haupttäter Markus S. (19) Mord vor und fordert zehn Jahre Haft. Erwiesen ist, dass Brunner nicht direkt an den Verletzungen, sondern an einem Herzanfall während des Angriffs auf ihn starb. Zudem hat er zuerst zugeschlagen. Laut Staatsanwaltschaft jedoch nur, um den Angriff abzuwehren.

Genau ein Jahr nach dem Tod Brunners will ihm seine bayerische Heimatgemeinde ein Denkmal setzen. Am kommenden Sonntag wird in Ergoldsbach das "Dominik-Brunner-Haus", eine Kinderkrippe, eingeweiht und eine Bronzeskulptur enthüllt. Sie zeigt einen Mann, der schützend vor einem Kind steht.

Parallel zum Prozess um den Fall Brunner leitet Baier derzeit auch die Verhandlung gegen drei Schweizer Schüler. Im vergangenen Sommer hatten die damals 16-Jährigen auf einer Klassenfahrt in Bayern fünf Passanten brutal zusammengeschlagen.

Alle drei Fälle unter Baiers Leitung erregten bundesweit Aufsehen. Doch Baier sieht sie nüchtern: Die Verfahren, die seine Kammer verhandelt, seien letztlich "Prozesse wie alle anderen".

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