Die rheinische Sprache schafft es selten in die Medien. Ein Wörterbuch soll Abhilfe schaffen.

Buchautor Peter Honnen (li.) und Schauspielerin Samy Orfgen sprachen vor der Kulisse des Kölner Doms über den rheinischen Dialekt, was er für die Menschen bedeutet und wie man ihn retten kann.
Buchautor Peter Honnen (li.) und Schauspielerin Samy Orfgen sprachen vor der Kulisse des Kölner Doms über den rheinischen Dialekt, was er für die Menschen bedeutet und wie man ihn retten kann.

Buchautor Peter Honnen (li.) und Schauspielerin Samy Orfgen sprachen vor der Kulisse des Kölner Doms über den rheinischen Dialekt, was er für die Menschen bedeutet und wie man ihn retten kann.

Greven Verlag Köln

Buchautor Peter Honnen (li.) und Schauspielerin Samy Orfgen sprachen vor der Kulisse des Kölner Doms über den rheinischen Dialekt, was er für die Menschen bedeutet und wie man ihn retten kann.

Köln. Für einen Rheinländer ist es direkt am Ofen „schön muckelich“ und im dunklen Flur „zappenduster“. Wenn er vom letzten Stück eines Brotes spricht, sagt er „Knäppchen“ und bei Regen regt er sich über das „uselige Wetter“ auf.

Was für einen Bayern wie Chinesisch klingt, ist für den Rheinländer Alltag und Heimat zugleich. Sprachwissenschaftler Peter Honnen hat gerade die 7. Auflage seines Rheinland-Wörterbuches „Kappes, Knies & Klüngel“ auf den Markt gebracht. Er ist der Meinung, dass das Rheinische zu selten in der Öffentlichkeit gesprochen wird.

„Alle Menschen im Rheinland sprechen auf irgendeine Art und Weise rheinisch. Nur in den Medien hört und liest man es fast nie“, sagt er. Der sogenannte Regiolekt (regionale Umgangssprache) sei bislang kaum irgendwo dokumentiert und außer Reiner Calmund fielen ihm kaum Promis ein, die Kölsch in der Öffentlichkeit sprechen würden.

Eine große Ausnahme sei die WDR-Familienserie „Ein Fall für die Anrheiner“. Samy Orfgen spielt darin die Köchin Lisa Pawelczik, die die Fans vor allem mir ihrer kölschen Schnauze begeistert.

„Die haben geglaubt, ich könnte kein Hochdeutsch.“

Samy Orfgen, Kölner Schauspielerin, über ein Vorsprechen

„Ohne den Dialekt wäre die Sendung nicht so erfolgreich. Die Zuschauer mögen das, weil es so authentisch ist“, sagt die 61-jährige gebürtige Kölnerin. Wenn sie über ihren Dialekt spricht, gerät Orfgen ins Schwärmen: „Das Kölsche ist meine Heimat, mein Zuhause.“ Dabei hat sie ihr Dialekt auch schon einmal einen Schauspiel-Job gekostet.

Babbeln Bedeutet schwatzen, viel oder unsinnig reden. „Die sind den ganzen Tach am babbeln.“

 

Döneken Steht für eine kleine Erzählung, Anekdote, Streich oder Witz. „Dat sind doch nur Dönekes, wat die erzählt.“

 

Fickel Heißt so viel wie Schmutzfink oder unachtsamer Mensch. „Mit den Schuhen kommst du Fickel mir nich ins Haus.“

 

Fluppen Sagt man, wenn etwas geklappt, funktioniert hat. „Dat fluppt ja wie geschmiert.“

 

Heckmeck Bedeutet Getue, Umstände. „Mach doch nich sonn Heckmeck um das bisken Haushalt.“

 

Kabuff Wird für eine kleine Kammer oder ein minderwertiges Zimmer benutzt. „Dat ist vielleicht en Kabuff, wo der da wohnt.“

 

Knifte Steht für ein meist dick belegtes Butterbrot. „Man, wat hasse mir denn da vonne dicke Knifte gemacht.“

 

Lappöhrchen Ist ein nicht unbedingt versteuerter Nebenverdienst. „Ja, ja, offiziell vom Amt leben und nebenbei ein Lappöhrchen machen!“

 

Mallör Heißt so viel wie Unfall, Unglück oder Pech. „Mir is en Mallör passiert.“

 

Nickelig Bedeutet bösartig, leicht erregbar, nachtragend. „Da musse aufpassen, dat is en ganz nickeliges Männeken.“

 

Pesen Steht für rasen oder rennen. „Der kam vielleicht mit Karacho um die Ecke gepest.“

 

Pröttel Sagt man zu altem Kram, Plunder. „Schmeiß den alten Pröttel doch endlich weg.“

„Kappes, Knies & Klüngel“ ist im Greven Verlag Köln erschienen. Es hat 270 Seiten und kostet 11,90 Euro (ISBN: 978-3-7743-0601-1). Autor Peter Honnen ist Sprachwissenschaftler beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn.

„Die haben geglaubt, ich könnte kein Hochdeutsch. Wenn ich will, kann ich das, aber warum sollte ich?“ Das Rheinländische gelte oft immer noch als „asi“, und nur wenn auch in den Medien der Regiolekt gesprochen würde, könne man die Sprache retten.

16 000 Wörter dokumentieren das rheinische Sprachgut

Das sieht auch Peter Honnen so. Mit der Neuauflage seines Buchs möchte er gegen das Vergessen kämpfen. „Der Regiolekt ist die letzte Möglichkeit für die Menschen, sich mit der Region zu identifizieren“, sagt er. Mehr als 16 000 Wörter beschreibt er in seinem Buch. 95 Prozent davon stünden nicht im Duden.

„Ich war erstaunt, wie viele Wörter es nur im Rheinland gibt“, sagt er und nennt Begriffe wie „plästern“ oder „friemeln“. Seit seiner ersten Auflage im Jahr 2003 hat er so viele Hinweise von Lesern erhalten, welche Wörter aufgenommen werden müssten, dass er jetzt eine neue Fassung veröffentlicht hat. „Ich habe einiges gelernt. Oder wussten Sie, dass man heutzutage statt ’auf Trallafitti’ auch ’auf Rititti’ gehen kann?“

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