Passagiere der "Norman Atlantic" warten auf Korfu auf den Transport zum Hospital. Foto: Stamatis Katapodis
Passagiere der "Norman Atlantic" warten auf Korfu auf den Transport zum Hospital. Foto: Stamatis Katapodis

Passagiere der "Norman Atlantic" warten auf Korfu auf den Transport zum Hospital. Foto: Stamatis Katapodis

Helfer kümmern sich um die von Bord der "Norman Atlantic" geretteten Passagiere. Foto: Stamatis Katapodis

Die Adria-Fähre «Norman Atlantic» Anfang Oktober in Italien. Foto: Dietmar Hasenpusch/Archiv

dpa, Bild 1 von 3

Passagiere der "Norman Atlantic" warten auf Korfu auf den Transport zum Hospital. Foto: Stamatis Katapodis

Rom/Athen (dpa) - Bei dem Fährunglück in der Adria sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. 427 konnten nach Stunden voller Angst von der «Norman Atlantic» gerettet werden. Als letzter ging am Montag der Kapitän von Bord.

Die Suche nach möglichen Vermissten gehe aber weiter, teilte der italienische Transportminister Maurizio Lupi mit. Es gebe Ungereimtheiten mit der Passagierliste, auf der 478 Personen standen. Der Verbleib Dutzender Menschen war daher unklar. Die italienische Regierung betonte, es sei zu früh, eine Zahl von Vermissten zu nennen. An Bord waren vermutlich auch blinde Passagiere.

Etwa 36 Stunden nachdem der Brand auf der Fähre vor Korfu ausgebrochen war, hatten die Retter alle Menschen von dem Schiff geholt. Als letzter verließ der italienische Kapitän Argilio Giacomazzi das Schiff der griechischen Anek Lines, das vor der Küste Albaniens treibt. Wind, Dunkelheit und Kälte erschwerten die Operation mit Hubschraubern und Schiffen. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass es noch Vermisste in dem Wrack gibt oder dass Menschen vor der Rettung in ins Wasser gesprungen sind. Die «Norman Atlantic» wurde beschlagnahmt, entschieden werden müsse, wohin sie geschleppt wird, hieß es im Transportministerium.

Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche. Zwei von ihnen kamen am Montag mit einem Containerschiff im Hafen von Bari an. Den beiden aus Saarbrücken und Berlin gehe es soweit gut, sie sollten nun nach Deutschland zurückgebracht werden, sagte eine Mitarbeiterin des deutschen Konsulats in Bari der Deutschen Presse-Agentur. Das Auswärtige Amt in Berlin machte keine näheren Angaben dazu.

Das Containerschiff «Spirit of Piraeus», das zur Hamburger Rickmers-Gruppe gehört, lief mit 49 Geretteten am Montag in Bari ein. Ein weiteres Schiff mit knapp 70 Geretteten kam in Igoumenitsa in Griechenland an. Dutzende Gerettete waren außerdem noch auf dem Marineschiff «San Giorgio» unterwegs.

Ein Augenzeuge erzählte, er habe Leichen gesehen. «Ich habe vier tote Personen gesehen, mit meinen eigenen Augen, ich bin sicher. Sie waren vor mir», zitierte die Agentur Ansa einen Passagier. Andere erzählten von Schlägereien an Bord. Und wieder andere erhoben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. «Eigentlich hätten wir mit einem anderen Schiff fahren sollen. Wir haben das erst im Hafen gemerkt. Als wir es gesehen haben, ist uns etwas mulmig geworden», sagte Rania Fyreou im griechischen Fernsehen. «Auf dem Schiff gab es keinerlei Koordination. Das Personal war praktisch nicht vorhanden.»

Die Staatsanwaltschaften in Bari und Brindisi leiteten Ermittlungen wegen fahrlässigen Schiffbruchs und fahrlässiger Tötung ein. Die italienische Reederei Visemar gerät unter Druck. Eigentümer Carlo Visentini erklärte, das Schiff habe alle Zertifikate gehabt und sei fahrtüchtig gewesen. Bei einer Inspektion am 19. Dezember waren leichtere Mängel an der «Norman Atlantic» moniert worden.

Über die Ursache des Brandes, der vermutlich im Autodeck ausgebrochen war, wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Viele Laster hätten Olivenöl geladen. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.

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