Wer in Afrika in die Klinik muss, wird sofort mit HIV konfrontiert, hat Reporterin Daniela Kebel erfahren.

Männerhände halten die Aids-Schleife als Zeichen für Solidarität und Mitgefühl. Am Donnerstag ist internationaler Welt-Aids-Tag.
Männerhände halten die Aids-Schleife als Zeichen für Solidarität und Mitgefühl. Am Donnerstag ist internationaler Welt-Aids-Tag.

Männerhände halten die Aids-Schleife als Zeichen für Solidarität und Mitgefühl. Am Donnerstag ist internationaler Welt-Aids-Tag.

Reporterin Daniela Kebel.

dpa, Bild 1 von 2

Männerhände halten die Aids-Schleife als Zeichen für Solidarität und Mitgefühl. Am Donnerstag ist internationaler Welt-Aids-Tag.

Andara. „Ich gehe einfach hin, lege Geld auf die Theke, und die geben mir schnell ein Rezept“, sage ich zu mir.

Ich stehe im Katholischen Hospital in Andara, im Nordosten Namibias. Ausgerechnet hier in Afrika haben mich plötzliche Ohrenschmerzen erwischt. Mit dem richtigen Antibiotikum sofort behandelbar. Doch das muss man hier erst einmal bekommen.

Es wird klar: Im Wartezimmer sitzen fast nur Aids-Patienten

Ich reihe mich mit etwa 20 mageren Menschen in die Schlange ein. Manche können gar nicht mehr selbst stehen und müssen gestützt werden. In der Klinik ist es heiß, die Sandalen quietschen auf dem Linoleumboden.

Ich zahle umgerechnet fünf Euro „Praxisgebühr“ – wie alle anderen. Ich bin eine von vielen. Doch ich habe nur eine Ohrentzündung – um mich herum sind fast alle HIV-positiv.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit geht davon aus, dass in Namibia 15 Prozent der Bevölkerung an Aids erkrankt sind. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

Laut UN leiden weltweit 33 Mio. Menschen an HIV, darunter 22,4 Mio. Afrikaner.

Hierzulande sind 73 000 Menschen HIV-positiv. In NRW geht die Zahl der Neuinfektionen zurück (2011: 650).

Zwischen mehr als 30 Kranken sitze ich auf einer einfachen Holzbank ohne Lehne, eine Schwester misst Fieber und Blutdruck. Der ist viel zu hoch, oder das Gerät einfach defekt. Sie geht zum nächsten, misst bei ihm.

Plötzlich habe ich panische Angst, dass mir jemand eine kontaminierte Spritze verabreicht. Nach zwei Stunden Warten ist eine junge Frau am Ende ihrer Kräfte und legt sich auf die Seite. Meine Nerven liegen blank.

Bis zum Krankenhaus ist es für viele ein Tagesmarsch

Irgendwann betrete ich das Arztzimmer. Sofort verfliegt meine Angst. Ein freundlicher Mann um die 50 empfängt mich lächelnd. Ich bin ganz ruhig, als er meinen Kopf in seinen Händen leicht dreht. Ich bekomme einen Zettel und gehe zum nächsten Wartebereich. Ich sitze mit denselben Leuten wie eben auf einer Bank, bekomme nach zwei Stunden zehn abgezählte Tabletten.

Erst beim Hinausgehen fällt mir auf, weshalb es keine Parkplätze vor dem Krankenhaus gibt: Hierher kommen die Menschen barfuß und auf Krücken. Oft brauchen sie einen ganzen Tag. Und den nächsten für den Rückweg. Falls sie ihn noch schaffen.

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