Mexiko-Stadt (dpa) - Für die meisten Menschen der mexikanischen Hauptstadtregion ist die drohende Epidemie der Schweinegrippe ein weiterer Alptraum. Potenziell ist er gefährlicher als der Drogenkrieg, der seit geraumer Zeit die Sicherheit des Landes bedroht.

Doch während dieser Krieg, in dem in zwei Jahren rund 12 000 Menschen getötet wurde, die allgemeine Bevölkerung kaum tangiert, wäre die gefährliche Virusattacke eine tödliche Bedrohung für alle Menschen - nicht nur in Mexiko.

Die meisten Eltern fielen am Freitagmorgen aus allen Wolken, als sie ihre Kinder in der Schule abliefern wollten und sie dort vor verschlossenen Toren standen. Die mexikanische Regierung hatte in der Nacht zuvor angekündigt, dass der gesamte Schulbetrieb in Mexiko-Stadt und in dem die Hauptstadt umschließenden Bundesstaat Mexiko eingestellt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nachweislich 18 Menschen gestorben, die sich mit der Schweinegrippe, einer neuen Form des H1N1-Virus, infiziert hatten.

Präsident Felipe Calderón sagte eine Reise in den Norden des Landes ab, wohin er die meisten der Zehntausende von Soldaten in den Krieg gegen die Drogenkartelle geschickt hat. Die neue Front befindet sich in der Hauptstadt-Region. Sie ist unsichtbar und es gibt keine Angriffswaffen. «Die beste Abwehr ist, möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen.»

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, öffentliche Räume zu vermeiden. Die Zahl der Besucher von Restaurants ging nach Angaben des Fernsehens um rund 40 Prozent zurück. Wichtige Fußballspiele der ersten Liga wurden nicht abgesagt, doch die Mannschaften traten vor leeren Zuschauerrängen an. Die Katholische Kirche wollte, wie es am Samstag hieß, die Sonntagsmessen nicht ausfallen lassen. Sie forderte aber die Gläubigen auf, Vorbereitungen zum Schutz zu treffen, wenn sie in die Kirche gehen wollten. Vor Apotheken und Drogerien der Hauptstadt bildeten sich lange Menschenschlangen. Immer mehr Menschen legten sich Mundschutz-Masken zu. Auch in den Nachbarstaaten Zentralmexikos begannen Maßnahmen zur Abwehr der Virusattacke.

Gesundheitsminister José Àngel Cordova warnte seine Landsleute am Samstagmorgen davor, sich mit Medikamenten einzudecken und sich selbst zu behandeln. Er sagte, eine große prophylaktische Impfkampagne sei nicht geplant. Die Behandlung mit Antiviren solle nur bei bereits Infizierten erfolgen. Auf den Flughäfen und Busbahnhöfen sind medizinische Teams im Einsatz, die Grippeinfizierte aufspüren und behandeln sollen.

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