Mexiko-Stadt (dpa) - Für die meisten Menschen der mexikanischen Hauptstadtregion ist die drohende Epidemie der Schweinegrippe ein weiterer Alptraum. Potenziell ist er gefährlicher als der Drogenkrieg, der seit geraumer Zeit die Sicherheit des Landes bedroht.

Während dieser Krieg, in dem in zwei Jahren rund 12 000 Menschen getötet wurden, die allgemeine Bevölkerung kaum tangiert, wäre die gefährliche Virusattacke eine tödliche Bedrohung für alle Menschen - nicht nur in Mexiko.

Bis Sonntag waren 20 Menschen gestorben, die sich nachweislich mit einer neuen Form des H1N1-Virus infiziert hatten. Bei weiteren 61 Grippetoten und 1300 Grippekranken in den Kliniken wird noch untersucht, ob sie sich mit dem mutierten Schweinegrippevirus infiziert hatten.

Präsident Felipe Calderón sagte eine Reise in den Norden des Landes ab, wohin er die meisten der Zehntausenden von Soldaten in den Krieg gegen die Drogenkartelle geschickt hat. Die neue Front befindet sich in der Hauptstadt-Region, im Hochtal von Mexiko. Sie ist unsichtbar und es gibt keine Angriffswaffen.

«Die beste Abwehr ist, möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen», lautet die Strategie der Regierung. Sie hat die gesamten Schulen in Mexiko-Stadt und in dem die Hauptstadt umschließenden Bundesstaat Mexiko eingestellt.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, öffentliche Räume zu meiden. Die Zahl der Besucher von Restaurants ging nach Angaben des Fernsehens um rund 40 Prozent zurück. Wichtige Fußballspiele der ersten Liga wurden nicht abgesagt, doch die Mannschaften traten vor leeren Zuschauerrängen an.

Auch die katholische Kirche musste sich dem Virus beugen. Sie wollte, wie es am Samstag hieß, die Sonntagsmessen nicht ausfallen lassen. Stattdessen forderte sie die Gläubigen auf, Vorbereitungen zu ihrem Schutz zu treffen, wenn sie in die Kirche gehen wollten. Und die Priester sollten sich die Hände vor der Messe desinfizieren und die Hostien bei der Kommunion nicht in den Mund der Gläubigen, sondern in deren Hände legen. Am Sonntag wurde aber mitgeteilt, dass auch die Kirchen ihre Pforten schließen mussten. Das Hochamt von Kardinal Norberto Rivera wurde im Fernsehen übertragen.

Immer mehr Menschen legten sich Mundschutz-Masken zu. Auch in den Nachbarstaaten Zentralmexikos begannen Maßnahmen zur Abwehr der Virusattacke. Gesundheitsminister José Àngel Cordova warnte seine Landsleute davor, sich mit Medikamenten einzudecken und sich selbst zu behandeln. Die Behandlung mit Medikamenten solle nur bei bereits Infizierten erfolgen. Auf den Flughäfen und Busbahnhöfen sind medizinische Teams im Einsatz, die Grippeinfizierte aufspüren und behandeln sollen.

Calderón rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und keine Panik aufkommen zu lassen. Viele Menschen standen unter Schock und blieben auch von privaten Feiern fern. Eine Mutter, die ihre Tochter gerade zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht hatte, sagte, einen Weinkrampf unterdrückend: «Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Wir sind alle in der Hand Gottes. Er allein entscheidet.»

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