Wegen eines Rechtschreibfehlers sollte die Marke eingestampft werden – jetzt tauchte eine doch bei Ebay auf. Die Sammlerwelt fragt sich: Gibt es davon noch mehr?

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Ein fehlendes E hat den Preis nach oben getrieben: Eine fehlerhafte Briefmarke zum Fest war einem Bieter bei Ebay 1187 Euro wert.

Ein fehlendes E hat den Preis nach oben getrieben: Eine fehlerhafte Briefmarke zum Fest war einem Bieter bei Ebay 1187 Euro wert.

Andreas Reiter

Ein fehlendes E hat den Preis nach oben getrieben: Eine fehlerhafte Briefmarke zum Fest war einem Bieter bei Ebay 1187 Euro wert.

Düsseldorf. Eine Christbaumkugel, ein paar Zacken, ein Rechtschreibfehler – und ein Preis von fast 1200 Euro. Die Zusammenfassung einer fast unglaublichen Weihnachtsgeschichte. Auf ihrer Briefmarke zum Fest 2016 hatte die Deutsche Post auf mehreren Sprachen eine fröhliche Weihnacht wünschen wollen – sich allerdings beim niederländischen Schriftzug vertan. Das fiel noch auf, bevor überhaupt ein einziges Exemplar ausgeliefert wurde, alle sollen vernichtet worden sein. Alle? Wohl eher nicht. Denn eine tauchte jetzt bei Ebay auf – und wurde für 1187 Euro ersteigert.

Marken, die es nicht geben darf, bringen regelmäßig Rekordpreise

Ein fehlendes E hat dem unbekannten Verkäufer sein Weihnachtsgeld eingebracht. „Vrolijk Kerstfest“ wünscht die Post ihren Kunden auf der Marke – richtig wäre aber „Vrolijk Kerstfeest“. Und eigentlich sollte auch nur diese Version auf den Glückwünschen der Deutschen gelandet sein. „Wir können uns das nicht erklären“, sagt Postsprecher Erwin Nier. Denn der Fehler sei noch in der Druckerei aufgefallen. „Nach unseren Unterlagen wurden alle vernichtet.“

Die Fehler-Marke bringt also nicht nur Geld, sondern auch die Fantasie der Sammlung in Wallung. Hat sich ein Mitarbeiter der Druckerei heimlich ein paar Briefmarken für die private Weihnachtspost gemopst? Hat er den Schatz gar nicht erkannt? Dafür spricht laut Axel Möller vom Auktionshaus Ulrich Felzmann in Düsseldorf, dass die im Internet versteigerte Marke einen Poststempel trägt: „Sie ist also normal befördert worden.“ Und fiel einem kundigen Sammler wohl erst später durch Zufall in die Hände.

Ungewöhnlich sind solche Kriminalgeschichten in der Philatelistenwelt nicht. Möllers Auktionshaus hat seinerzeit eine der seltenen Audrey- Hepburn-Marken versteigert, die ihre Erben aus Protest gegen das Motiv der Filmlegende mit Zigarette hatten verbieten lassen. Der Bieter hatte sie online in einem Wust Kiloware ersteigert – zehn Kilo Briefmarken zu 55,55 Euro. „Diese Marke hat dann über 50 000 Euro gebracht“, berichtet der Experte.

Vor allem Marken, die es eigentlich gar nicht geben darf, wecken den Jagdinstinkt der Sammler. Und ihren Sinn für gute Investitionen. Das gilt auch für eine der wertvollsten deutschen Briefmarken: die Gscheidle-Marke. 1980 entworfen zu den Olympischen Sommerspielen in Moskau, die die BRD dann allerdings boykottierte. Die Auflage wurde eingestampft. Bis auf einige Bögen, die in der Schublade des damaligen Postministers Kurt Gscheidle blieben. Bis viel später seine Frau – wohl verrückt nach Preisausschreiben – dringend auf der Suche nach etwas zum Frankieren war und über genau jene Marke stolperte. 24 Gscheidle-Marken sind heute bekannt. Wie viele „Vrolijk Kerstfest“-Marken es indes gibt, ist noch nicht absehbar. Axel Möller tippt, dass noch weitere auftauchen – immerhin werden sie in Zehnerbögen hergestellt und dürften in dieser Form auch aus der Post- Druckerei verschwunden sein. Für die Sammler heißt das: abwarten, lauern. Und schon mal sparen.

Auch bei der berühmtesten Briefmarke, der blauen Mauritius, sorgt ein Fehler für Legenden und die besondere Aura: So wurde sie 1847 mit „Post Office“ statt richtigerweise mit „Post paid“ bedruckt.

Die lange Zeit wertvollste Marke der Welt, die Tre Skilling Banco aus Schweden, war ebenfalls ein Fehldruck: gelborange statt grün. Sie bringt seit den 90ern Millionenbeträge – nur ein Exemplar gibt es noch.

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