Rund 150 Anhänger der islamkritischen Bewegung sind am Montag durch Düsseldorf gezogen. Eine Nahaufnahme.

Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.
Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.

Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.

Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.

Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.

JM/ DY, Bild 1 von 3

Am Rheinturm wurde das Licht abgeschaltet. Der bekannte Cellist Thomas Beckmann (l.) diskutiert mit einem Dügida-Demonstranten.

Düsseldorf. Es ist kurz vor halb sieben gestern Abend, als sich rund 150 Anhänger von Dügida („Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) am Hauptbahnhof in Bewegung setzen. Zögerlich geht’s los, die ersten Gegendemonstranten sind nur wenige Meter entfernt. Sie skandieren: „Nazis raus“, die Dügida-Gruppe kontert mit „Wir sind das Volk“-Rufen. Die Polizei trennt die Gruppen strikt. Nur langsam setzt sich die islamkritische Demo in Bewegung. Die Stimmung ist aufgeheizt.

Die Teilnehmerzahl muss für die Dügida eine Enttäuschung sein: Es sind nochmal deutlich weniger als bei der ersten Demo im Dezember, als sich etwa 450 Demonstranten am Landtag versammelten. Seitdem aber hat sich die Bewegung gespalten, zudem hat sich ein breites gesellschaftliches Bündnis von der Kultur bis zum Sport gegen Dügida positioniert.

Diejenigen, die trotzdem gegen eine angebliche Islamisierung auf die Straße gehen, haben erstmal einen kurzen Weg: Sie laufen einmal um den Häuserblock, können dann aber nicht mehr zurück auf den Bahnhofsvorplatz, weil Gegendemonstranten den Weg blockieren. Zeit, sich die Dügida-Anhänger genauer anzusehen: Etwa ein Drittel sind junge Männer, einigen möchte man nicht im Dunkeln begegnen. Darunter offenbar auch Fußball-Hooligans, ein BVB-Schal ist zu sehen, eine tätowierte Glatze, eine Lonsdale-Jacke (eine von Rechtsextremen vereinnahmte Klamotten-Marke).

Doch es gibt auch biedere Gestalten, so wie man sie bei Pegida-Demos in Dresden gesehen hat: Pärchen mittleren Alters, er mit Schnauz, sie mit blondierter Dauerwelle. Junge Mädchen mit Piercings im Gesicht. Dazu mehrere Rentner, einer davon sogar im Rollstuhl unterwegs, ein Holz-Kruzifix in die Höhe haltend. Eine Weile tauschen die Demonstranten auf beiden Seiten Sprechchöre aus: Auf Dügida-Seite heißen die Slogans: „Wir wollen keine Salafisten-Schweine“ oder: „Deutsche Presse, halt die Fresse“. Manchem Journalisten wird mulmig.

Organisatorin nennt Gegner „Pack“ und „Asoziale“

Viertel nach sieben gibt es Musik: „Wir sind das Volk“, dröhnt es aus den Lautsprechern. Danach ergreift Organisatorin Melanie Dittmer das Wort. Wes Geistes Kind sie ist, wird schnell klar: Die Gegendemonstranten nennt sie „Pack“ und „Asoziale“. Dann dürfen zwei Franzosen sprechen, sie warnen mit Blick auf die Attentate in Paris vor dem Islam. Der sei eine „Ideologie“. Ein Redner sagt: „Weil ich die Muslime liebe, hasse ich den Islam.“ Wie das zusammenpasst, erklärt er nicht. Und dann verunglimpft er eine ganze Religion mit einem Satz: „Der Islam hat Charlie getötet.“

Derweil wird unter den Dügida-Demonstranten die kostenlose Zeitung „Recht & Wahrheit“ verteilt, Untertitel: „Politik und Zeitgeschichte aus deutscher Sicht.“ Es ist augenscheinlich der extrem rechte Rand, dekoriert von ein paar Biedermännern, der hier demonstriert. Und das auch weiter tun will – künftig jeden Montag am Hauptbahnhof. 

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