Bielefeld/Euskirchen (dpa). Gewalttäter auf der Flucht werden unter dem zunehmenden Stress unberechenbar. Je länger die Flucht dauere und je stärker der Druck werde, desto größer werde die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter aus dem Ruder laufen könne, sagte der Euskirchener Psychologe Uwe Wetter. "Der Flüchtige ist allein. Er kann sich nicht ausruhen, weil er sich nirgends sicher fühlen kann." Dieser Stress könne sich irgendwann entladen.

Der Mörder Peter Paul Michalski war am Donnerstagabend gemeinsam mit dem am Sonntag gefassten Michael Heckhoff (50) aus der Justizvollzugsanstalt Aachen ausgebrochen. "Das heißt zunächst, dass er Überfälle begehen könnte, um an Geld zu kommen oder dass es zu weiteren Geiselnahmen kommt", sagte Wetter, der seit Jahren Gewaltverbrecher therapiert und in Prozessen Gutachten erstellt. "Er könnte auch aus der Verzweiflung heraus suizidal (selbstmörderisch) reagieren, also den Tod suchen.

Es könnte aber auch zu einem erweiterten Suizid kommen, das heißt, er nimmt nicht nur billigend Opfer in Kauf, sondern will gezielt andere verletzen oder töten." Bislang habe sich Michalski relativ besonnen verhalten, sagte Wetter. "Es flieht niemand, der der Meinung ist, dass es sich nicht lohnt. Diejenigen, die nur eine "finale Lösung" suchen, verhalten sich anders." Weiter sagte der Psychologe zu dem Verhalten der Ausbrecher: "Ich habe nicht den Eindruck, dass es ein Interesse gab, andere zu gefährden oder dass sie sich "infernal" (teuflisch) an anderen für vermeintlich erlebtes Unrecht rächen wollten."

"Fakt ist natürlich, dass derjenige, der von der Polizei getrieben wird, Gewalttaten begehen könnte. Das gilt besonders dann, wenn er außer seinem Leben nichts mehr zu verlieren hat", warnte Wetter. Michalski hatte 1993 einen Mittäter erschossen und war dafür zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest - kaum Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Die damit einhergehende Perspektivlosigkeit beeinflusse das Verhalten, sagte Wetter.

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