Ein Richter hatte Silvia Wollny wegen Anstiftung zur Falschaussage zu Haftstrafe verurteilt.

Ein Leben für die Großfamilie: Zehn von elf Kindern im Alter von drei bis 23 Jahren leben bei Silvia Wollny. Ein Neusser Amtsrichter wollte die allein erziehende Mutter ins Gefängnis schicken.
Ein Leben für die Großfamilie: Zehn von elf Kindern im Alter von drei bis 23 Jahren leben bei Silvia Wollny. Ein Neusser Amtsrichter wollte die allein erziehende Mutter ins Gefängnis schicken.

Ein Leben für die Großfamilie: Zehn von elf Kindern im Alter von drei bis 23 Jahren leben bei Silvia Wollny. Ein Neusser Amtsrichter wollte die allein erziehende Mutter ins Gefängnis schicken.

Ein Leben für die Großfamilie: Zehn von elf Kindern im Alter von drei bis 23 Jahren leben bei Silvia Wollny. Ein Neusser Amtsrichter wollte die allein erziehende Mutter ins Gefängnis schicken.

Nicole Gehring, Bild 1 von 2

Ein Leben für die Großfamilie: Zehn von elf Kindern im Alter von drei bis 23 Jahren leben bei Silvia Wollny. Ein Neusser Amtsrichter wollte die allein erziehende Mutter ins Gefängnis schicken.

Neuss. Ein Jahr hat Silvia Wollny gekämpft. "Gekämpft für Gerechtigkeit", wie die 41-Jährige selber sagt - und sie hat gewonnen. Denn die allein erziehende Mutter von elf Kindern muss nun doch nicht ins Gefängnis. Eine Berufungskammer des Landgerichts Düsseldorf hob gestern ein Urteil des Amtsgerichts Neuss auf und verhängte stattdessen eine Geldstrafe von 375 Euro. Tränen der Erleichterung liefen Silvia Wollny nach der Urteilsverkündung über das Gesicht. Das Verfahren ist nicht spurlos an ihr vorübergegangen.

Die Vorgeschichte: Weil sie ihren 17-jährigen Sohn im Frühjahr vergangenen Jahres zu einer Falschaussage angestiftet haben soll, drohten der 41-Jährigen sechs Monate Gefängnis. Einspruch und Berufung gegen das Urteil seien angeblich nie bei Gericht angekommen, hieß es. Monatelang zuckte die Frau bei jedem Klingeln an der Haustür zusammen: Es könnte ja die Polizei sein, um die 41-Jährige zum Gefängnis zu bringen. Die Ladung zum Strafantritt lag schon auf dem Tisch. Wer sollte die Mama dann ersetzen? Erst ein Gnadengesuch der Staatsanwaltschaft sorgte dafür, dass das Berufungsverfahren doch noch vor dem Landgericht anberaumt wurde.

Nach dem Urteil brach für Silvia Wollny eine Welt zusammen

Als der Amtsrichter in Neuss im vergangenen Oktober das Urteil verkündet hatte, brach für die elffache Mutter eine Welt zusammen. Denn: "Die Mutterrolle ist für mich ein 24-Stunden-Job", sagt sie. Ihre jüngste Tochter ist gerade mal drei Jahre alt. Die Großfamilie lebt gemeinsam in einem Haus. Nur die älteste Tochter (23) ist ausgezogen.

Silvia Wollny bezeichnet sich als glücklich. "Auch wenn es manchmal im Alltagschaos schwierig wird und ich zehnmal am Tag nicht mehr weiß, wie es weiter gehen soll. Dafür gibt es aber 50 Glücksmomente, das ist es wert." Zu ihrem geschiedenen Ehemann Dieter hat die alleinerziehende Mutter weiterhin guten Kontakt.

Doch wie kam es überhaupt zu der Anklage wegen falscher Verdächtigung? Ihr Sohn Patrick und sein Kumpel hätten in einem Internet-Café zwei Jungen belauscht, die vom Diebstahl zweier Motorroller gesprochen haben sollen. Silvia Wollny riet den 17-Jährigen, die Sache anzuzeigen. "Ich wollte doch nicht, dass alle denken, mein Junge hätte etwas mit dem Diebstahl zu tun."

Die Folge: Die angeblichen Diebe wurden festgenommen. Ein paar Tage später gestand jedoch ein anderer die Tat - und die Mutter musste auf die Anklagebank. Das Neusser Amtsgericht verhängte sechs Monate auf Bewährung - wohl beeinflusst von einer Verurteilung wegen Hehlerei vor zehn Jahren. Es lag damit über dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die drei Monate mit Bewährung gefordert hatte.

"Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte Silvia Wollny im Prozess. Sie hätte das mit der Anzeige gegenüber ihrem Sohn und dessen Freund doch nur beiläufig erwähnt. Der Richter zeigte gestern Verständnis für die Lage der Frau. "Das Urteil in erster Instanz war viel zu streng." Eine Geldstrafe sei vollkommen ausreichend.
 

Leben in der Grossfamilie

Die Kinder helfen ihrer Mutter gerne - selbst wenn zwölf Kilo Kartoffeln geschält werden müssen.

Alltag Elf Kinder hat die Familie Wollny - und wenn man beim Kaffeetrinken in der Küche fragt, wie das so ist, bekommt man eigentlich nur positive Antworten. "Wir könnten uns noch zwei Kinder vorstellen", schwärmt die 41-jährige Mutter Silvia. "Ich stehe morgens um fünf Uhr auf, mache die Wäsche und dann für alle Frühstück. Unser Leben kann ich mir gar nicht mehr anders vorstellen", sagt die allein erziehende Neusserin, die nach wie vor viel Unterstützung von ihrem geschiedenen Mann erhält.

Auskommen Die Wollnys leben auf 230 Quadratmetern, oft bleiben weniger als 1000 Euro monatlich zum Leben. Ein Auto hat die Familie nicht. Um die Einkäufe für zwölf Personen zu erledigen, muss ein umgebauter Kinderwagen herhalten. Die Familie bekommt Sozialhilfe. "Für viele sind wir einfach asozial, Kinderreichtum scheint verdächtig zu sein", ärgert sich Silvia Wollny über verächtliche Kommentare.

Organisation Natürlich braucht das Zusammenleben feste Regeln, feste Essenszeiten, zu denen die Familie zusammenkommt. Das passiert meist am frühen Abend, wenn die 41-Jährige für die Großfamilie kocht. Die Töchter helfen gern. Auch wenn zwölf Kilogramm Kartoffeln geschält werden müssen. Wichtig sei ein gutes Zeitmanagement, so die Mutter, denn ohne Disziplin gäbe es schon morgens im Badezimmer ein mächtiges Gedränge. Viel Unterstützung erhält Silvia Wollny vor allem von ihrer ältesten Tochter, die als Kinderpflegerin arbeitet und mit 23Jahren selbst Mutter von zwei Kindern ist.

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