Prepper bereiten sich auf alle erdenklichen Katastrophen vor. Sie stellen sich nicht die Frage, ob diese kommen, sondern wann.

Jörg Pospiech: Mit Dosensuppen, Teelichtern, Landkarten, Wasserfilter und einem Solar-Radio vorbereitet sein auf den Ernstfall.

Jörg Pospiech: Mit Dosensuppen, Teelichtern, Landkarten, Wasserfilter und einem Solar-Radio vorbereitet sein auf den Ernstfall.

Joe Vogel (29), professioneller Überlebenstrainer.

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Düsseldorf. Die staatliche Ordnung ist zusammengebrochen. Auf den Straßen tobt der Mob. Polizisten trauen sich nicht mehr vor die Tür. Sie bleiben zu Hause, um die eigene Familie zu beschützen – oder plündern sogar selbst. Der Kampf ums Überleben: Die Frage ist nicht, ob er kommt, sondern wann. Das glauben zumindest Prepper.

Der Begriff kommt vom englischen Wort „to prepare“ (sich vorbereiten) und beschreibt Menschen, die für Katastrophen gerüstet sein wollen. Denn sie sind sicher: Wenn es losgeht, überleben nicht die Stärksten, sondern diejenigen, die vorbereitet sind. Die Frage ist nur: worauf?

Ob der Euro kollabiert, ein Atomkraftwerk explodiert, die Erde bebt oder eine Seuche ausbricht – das weiß auch ein Prepper wie Jörg Pospiech nicht. „Ich bin auf alles vorbereitet“, sagt der 44-Jährige, der extra nach Brandenburg aufs Land gezogen ist – weg von den Großstädten, in denen es im Ernstfall „schnell ungemütlich werden könnte“. Pospiech trägt einen Fleecepulli, eine Outdoor-Jacke und eine kakifarbene Schirmmütze. An seiner Allzweckhose stecken ein Funkgerät und ein Taschenmesser. „Vorausschauend zu leben ist nicht schwer“, sagt Pospiech. Und: „Jeder kann ein Prepper sein.“

Der Unterschied zwischen Leben und Tod – für Pospiech passt er in einen Pappkarton. Darin enthalten: 40 Dosen Suppe, vier Päckchen Teelichter, Landkarten, Wasserfilter und ein Solar-Radio. „Das ist nicht viel, reicht aber, um für eine Weile eine warme Mahlzeit und sauberes Wasser zu haben“, sagt der Fachmann, der auch beruflich Überlebenskurse gibt.

Schon vor Jahren hat Pospiech seinen Lebensstil umgestellt. Zusammen mit seiner Frau, seinen Kindern und mehreren Gleichgesinnten lebt er auf einem Bauernhof, der sich komplett selbst versorgen könnte. Sie bauen Gemüse an, halten Nutztiere und ein Brunnen liefert Trinkwasser. Verrückt seien er und seine Mitstreiter aber nicht: „Wir haben ganz normale Jobs. Für uns ist das ein Hobby – eines, das uns im Notfall rettet.“

„Wir sind nicht verrückt, wir haben nur ein Hobby, das uns im Notfall retten kann.“
Jörg Pospiech (44), Prepper

Joe Vogel (29), professioneller Überlebenstrainer:

 

Bei Ihnen lernt man, in der Natur zu überleben. Wer braucht solche Fähigkeiten?
Joe Vogel:
„Solche Fertigkeiten können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Besonders Teilnehmer von Expeditionen oder Extremreisen können davon profitieren.“

 

Was halten Sie von Preppern?
Vogel:
Meine Meinung ist da zwiespältig. Vorräte können sinnvoll sein, um die Zeit zu überbrücken, bis Hilfe kommt. Prepper ziehen aber alles in Betracht – vom Kometenabsturz über Sonnenstürme bis zu Zombies, Killerviren und Alien-Attacken.

 

Ihr Tipp für die Apokalypse?
Vogel:
Die gute Flasche Wein aus dem Regal nehmen und das Schauspiel genießen. Wenn die Welt wirklich untergeht, nützt auch die beste Ausrüstung nichts. In allen anderen Fällen hilft es, zusammenzuhalten statt sich im Bunker zu verschanzen.

Das Prinzip der Prepper ist nicht neu. Schon unsere Großeltern, krisenerprobt nach dem Zweiten Weltkrieg, horteten Vorräte. Sie sprachen nicht vom Preppen, sondern schlicht vom Einkochen. In den USA, wo es besonders viele Prepper gibt, kommt es häufig zu Naturkatastrophen. Zwar war dadurch noch nie die Zivilisation in Gefahr – Versorgungsengpässe gibt es aber immer wieder. Beispiel New Orleans, 2005: Nachdem Hurrikan Katrina die Metropole verwüstet hat, dauert es Tage, bis die Nationalgarde eintrifft. Bürgerwehren erschießen Passanten, Plünderer nehmen sich, was sie brauchen. Gut, wenn man mehr als die üblichen Wocheneinkäufe im Haus hatte.

Doch es gibt auch eine andere Seite der Prepper: Besonders in den USA ist die Szene durchsetzt von Waffennarren und Radikalen. Die Ängste der Menschen wurden in der Vergangenheit von Sekten ausgenutzt, und zudem lässt sich damit Geld verdienen: Es wird alles verkauft, was das Prepper-Herz begehrt – vom Atombrot über Allzweckmesser bis hin zu witterungsfesten Konserven.

In Deutschland fürchtet man sich eher vor dem Wirtschaftskollaps. Viele haben die griechische Staatspleite noch vor Augen: Geldautomaten, die kein Geld mehr ausspucken. Apotheken ohne Medikamente. Einwanderer, die von Rechtsradikalen gejagt werden. Solche Bilder – selbst wenn sie nur Einzelfälle zeigen –vergrößern die Prepper-Gemeinde.

Und auch der deutsche Staat ist ein Prepper: In über 100 geheimen Lagern, die sich quer über das Land verteilen, hortet die Bundesregierung die „zivile Notfallreserve“. Dazu gehören 640 000 Tonnen Getreide, außerdem Reis, Erbsen, Linsen, Kondensmilch und Milchpulver. Die Vorratskammern gehen auf das „Ernährungssicherungsstellungsgesetz“ aus dem Jahr 1965 zurück, in dem ein Atomkrieg zwischen dem Westen und der Sowjetunion noch ein denkbares Szenario war. Auch Medikamente werden gelagert, um im Falle einer Pandemie (länderübergreifende Krankheitswelle) 20 Prozent der Bevölkerung versorgen zu können.

Billig ist das staatliche Horten nicht, zumal spätestens alle zehn Jahre die Lebensmittel ausgetauscht werden müssen. 2013 kostete die zivile Notfallreserve nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rund 13,1 Millionen Euro. Immer mal wieder kritisieren Politiker und zuletzt auch der Bundesrechnungshof deshalb die hohen Kosten, zumal unklar ist, ob die Vorräte jemals gebraucht werden. Zur Abschaffung der Depots konnte sich der Bundestag bisher trotzdem nicht durchringen – denn sicher ist sicher.

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