DDR-Oberschüler Günter Zettl macht 1969 beim Quiz eines Westsenders mit. Die Stasi fängt seine Postkarte ab. Es gibt ein Happy End.

Daniel Karmann

Saarbrücken. Nach 44 Jahren hat eine Postkarte aus der DDR ihr Ziel erreicht – und eine Reise durch die deutsch-deutsche Geschichte hinter sich. Alles begann 1969: Günter Zettl, Oberschüler in Waren an der Müritz in der DDR, heute Mecklenburg-Vorpommern, hört über Mittelwelle die Europawelle Saar des Saarländischen Rundfunks. Er will bei einem Preisrätsel der Kultsendung „Hallo Twen“ mitmachen. Es geht es um das Lied „Painter Man“ seiner Lieblingsband The Creation. Zettl schickt eine Postkarte an den Saarländischen Rundfunk. Zettl sitzt damals vor seinem Röhrenradio und hofft, dass sein Name von Moderator Manfred Sexauer, der mit dem „Musikladen“ bekanntwurde, unter den Gewinnern ist. Vergeblich. Zettl denkt sich aber nichts dabei. Bei ihm geht es in den Folgejahren turbulent zu. Zettl wird Lehrer, aber weil er einer Volkskammerwahl fernbleibt, belegt man ihn mit einem Berufsverbot. 1983 geht er in die Bundesrepublik. Erst 2010 denkt er sich: „Jetzt guckst mal in deine Akte.“

Zettls Postkarte lagerte in der Akte, die die Stasi über ihn führte

Seine Stasi-Akte offenbart eine Überraschung: eine Kopie seiner Postkarte. „Ich hatte das überhaupt nicht mehr auf dem Zeiger“, sagt Zettl, der inzwischen in Erlangen wohnt. Er ließ sich das Original aushändigen. „Dann habe ich sie 44 Jahre später dem Saarländischen Rundfunk zukommen lassen.“ Dort wird gestaunt über die Karte – und prompt gehandelt. Der Sender veranstaltet nun eine „Sonderziehung“ für Zettl – morgen, wenn die Europawelle Saar den 50. Geburtstag feiert, wird er auch dabei sein. Praktisch als „kleines Trostpflaster“. Und Günter Zettl kann sich doch noch auf die Platte als Gewinn freuen – wenn auch erst nach 44 Jahren. Überreicht werden soll sie übrigens von Moderator Manfred Sexauer.

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