Ein Wettstreit um die besten "Post-it"-Figuren hat die Pariser Büroviertel ergriffen. Gibt es solche Bilder auch im WZ-Land? Fundstücke bitte per Mail an uns, wir veröffentlichen sie online.

Toad, der kleine Pilz aus Super Mario Bros., ist nur eine von vielen Figuren, die neuerdings in Pariser Bürofenstern kleben - zusammengesetzt aus Post-its.
Toad, der kleine Pilz aus Super Mario Bros., ist nur eine von vielen Figuren, die neuerdings in Pariser Bürofenstern kleben - zusammengesetzt aus Post-its.

Toad, der kleine Pilz aus Super Mario Bros., ist nur eine von vielen Figuren, die neuerdings in Pariser Bürofenstern kleben - zusammengesetzt aus Post-its.

Screenshot/Youtube

Toad, der kleine Pilz aus Super Mario Bros., ist nur eine von vielen Figuren, die neuerdings in Pariser Bürofenstern kleben - zusammengesetzt aus Post-its.

Paris. Der "Krieg" begann in diesem Frühjahr genauso harmlos wie die meisten Kriege im Laufe der Geschichte. Der Schauplatz des Geschehens: das Büroviertel im Pariser Vorort Montreuil. Dort begab es sich, dass pfiffige Mitarbeiter des Computerspiele-Herstellers "Ubisoft" ein paar "Post-it"-Blöcke in die Hand nahmen und damit den "Rayman", die Kultfigur des Hauses, auf die Fensterscheibe warfen.

Schon tags darauf hatten sie im Büroturm der Großbank BNP Paribas unerbittlich "zurückgeklebt". Die Banker zauberten - ebenfalls aus Haftzetteln - schießende "Raving Rabbids" aufs Fensterglas. Eine eindeutige Kampfansage: Denn die tobenden Hasen haben nichts anderes im Sinn, als "Raymans" Welt zu zerstören. Der "Post-it-Krieg" war erklärt.

Ein gutes halbes Jahr später grassiert das Haftzettel-Fieber fast überall in Paris: zuerst in Montreuil, dann in Issy-les-Moulineaux und nun auch im riesigen Geschäftsviertel "La Défense", wo die größten Aktiengesellschaften des Landes ihre Zentralen angesiedelt haben. Von wegen Tristesse im Hochhaus, von wegen gepflegter Büroschlaf: Anscheinend spröde Angestellte verwandeln sich plötzlich in geniale Künstler und kühle Fronten aus Glas, Stahl und Granit in faszinierende Leinwände.

Unten halten Passanten inne, werfen den Kopf in den Nacken und staunende Blicke auf die kreative Zettelwirtschaft. "Es ist einfach drollig, jeder kann mitmachen", sagt Philippe, ein Mitarbeiter von "Eurosport" in Issy. Auch hier, auf der Rue Camille Desmoulins, tobt der Klebezettelkrieg. Je produktiver die Leute des Sportsenders, umso engagierter die Coca-Cola-Beschäftigten von direkt gegenüber. Oder um im Bild zu bleiben: Auge um Auge, Zettel um Zettel.

Es sind längst nicht nur Kriegserklärungen, die sie auf die Glasfronten geworfen haben. Neben Flugzeugen, Kanonen und Schwertkämpfern überwiegen friedliche Botschaften. Der eine lässt eine Schildkröte die Fassade hoch krabbeln, während andere ein Herz für Hunde und Katzen zeigen. Überall begegnen einem die Helden der Spielkonsolen-Generation: Pacman, Mario, Donkey Kong und sogar die Pioniere aus den Achtzigern, die legendären Space Invaders.

Video: Bericht zum kreativen Post It-Krieg in Pariser Büroviertel (auf französisch)


Une guerre de post-it en plein cœur de Paris von BFMTV



Es sprießen bunte Blümchen, Vögel fliegen, immer wieder schlagen dem Betrachter knallrote Herzen entgegen. Einer hat ganz sanft dies "gepostet": "I love peace". So ergeben sich ganz nebenbei aufschlussreiche Hinweise auf die Seelenlage ihrer Schöpfer - zusammen genommen sogar ein riesiges gesellschaftliches Psychogramm.

"Help" heißt es auf einem Fenster - unweigerlich denkt man da an die verstörend hohe Selbstmordrate in französischen Großunternehmen, an den Stress und die Depressionen, denen viele Mitarbeiter nicht mehr gewachsen sind. Sollte der Hilferuf gar ernst gemeint?

Melancholisch auch diese Mitteilung: "Game over". Wie die Geschäftsführungen auf die rege Nebentätigkeit ihrer Mitarbeiter - vom explodierenden Haftzettel-Verbrauch ganz zu schweigen - reagieren, bleibt allenthalben ein Betriebsgeheimnis. Aber allein die Tatsache, dass sich immer mehr Fenster in Kunstwerke verwandeln, lässt den Schluss zu, dass die meisten Personalchefs Milde walten lassen.

Video: Impressionen vom Post It-Krieg

Angst, dass sich ganze Abteilungen wüst verzetteln, haben sie offenbar nicht. Möglicherweise ist ihnen der "Post-it-war", wie sie das rivalisierende Zettelfieber hier nennen, sogar ganz recht. "Im Wettstreit mit anderen stärken wir doch unser Zusammengehörigkeitsgefühl", sagt Valérie, eine Mitarbeiterin in der Finanzbuchhaltung von "Orange Cinéma", und beginnt zu schmunzeln.

Als belebender Katalysator im Pariser "Post-it-Krieg" erweisen sich soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Kaum hat eine neue Figur einen Büroturm erobert, steht das Meisterwerk bereits im Netz. Emilie, Ubisoft-Mitarbeiterin und "Post-it"-Künstlerin der ersten Stunde, ist noch immer Feuer und Flamme. "Die Besten sind wir", sagt sie der Zeitung "Le Parisien". Dazu passt die eckige Zettel-Botschaft im Fenster: "Ubisoft 1 : Parisbas 0".

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