Eine Woche nach der Amokfahrt in Münster lebt die Stadt wieder auf, doch im Hinterkopf bleibt der Gedanke an die Tat.

Eine Woche nach der Amokfahrt in Münster lebt die Stadt wieder auf, doch im Hinterkopf bleibt der Gedanke an die Tat.
Neue Poller stehen vor dem Restaurant „Grosser Kiepenkerl“. Vor einer Woche hatte ein 48-Jähriger bei einer Amokfahrt zwei Menschen getötet.

Neue Poller stehen vor dem Restaurant „Grosser Kiepenkerl“. Vor einer Woche hatte ein 48-Jähriger bei einer Amokfahrt zwei Menschen getötet.

dpa

Neue Poller stehen vor dem Restaurant „Grosser Kiepenkerl“. Vor einer Woche hatte ein 48-Jähriger bei einer Amokfahrt zwei Menschen getötet.

Münster. Auf den ersten Blick wirkt Münster am Wochenende wie immer: Das Markttreiben pulsiert, Touristengruppen schlendern über den Prinzipalmarkt. Doch die Amokfahrt vor gut einer Woche ist noch lange nicht vergessen. „Es ist ein bisschen beklemmend. Dann verdrängt man den Gedanken an die Tat wieder, aber er kommt einfach immer wieder“, sagt Ursula Wegmann aus Münster, während sie ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt erledigt.

„Aber wir lassen uns davon nicht das Leben vermiesen.“

Carsten Wegener aus Münster

Augenscheinlich ist jedoch alles wie gewohnt. Das bemerkt auch Händler Marc Sijbrandi: „Ich denke, dass wir ganz schnell wieder zum Alltag zurückkehren.“ Von den Kunden sei er am Samstag gar nicht mehr auf die Amokfahrt angesprochen worden. Man könne das nicht so schnell vergessen, sagt jedoch Carsten Wegener am Gemüsestand. „Aber wir lassen uns davon nicht das Leben vermiesen.“

Am 7. April war ein 48 Jahre alter Mann mit seinem Campingbus in eine Menschenmenge an der Traditionsgasstätte „Kiepenkerl“ gerast. Dabei waren zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. Nach der Fahrt hatte sich der Mann selbst erschossen.

Der Tatort, die Außengastronomie des Lokals, ist am Samstag noch nicht wieder geöffnet. Viele Menschen bleiben um das Meer aus Blumen und Kerzen stehen. Einige wischen sich Tränen aus den Augen, andere umarmen sich. „Ich denke, dass das Leben weitergeht, aber man ist schon andächtig“, sagt Silvia Schwarte.

Auch um sich offene Fragen beantworten zu können, seien sie heute am Tatort vorbeigegangen, so Dennis Schwarte. „Wie konnte der Mann überhaupt auf den Platz kommen?“ Inzwischen ist das schwierig zu erkennen, denn an der Stelle, wo der Täter auf den Platz raste, stehen nun mehrere Poller.

Kondolenzbuch liegt weiter im Rathaus aus

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) plädiert jetzt dennoch dafür, die historische Flaniermeile am Prinzipalmarkt weiterhin offen zu lassen. Eine Stadt brauche Begegnungsorte, sagt Lewe, der auch Präsident des Deutschen Städtetages ist. Der Prinzipalmarkt von Münster sei eine Art gute Stube oder „Wohnzimmer“ für Stadtbewohner und Gäste. „Und deshalb ist es die Kernfunktion eines solchen Ortes, dass er ein offener Ort bleibt der Begegnung, der Rekreation und des Genießens.“

Unterdessen kommen neue beunruhigende Ermittlungsergebnisse zum Amokfahrer von Münster ans Licht. In der Wohnung des Täters fanden Ermittler Teile für eine mögliche Sprengfalle. Laut Polizei war die Konstruktion an der Tür zur Wohnung aber noch weit davon entfernt, Menschen zu töten oder Schaden anzurichten. Auch mehrere Behälter mit Benzin und anderen Flüssigkeiten hatten die Ermittler in der Wohnung in Münster entdeckt.

In der Bürgerhalle des Rathauses von Münster liegt weiter ein Kondolenzbuch aus. Helga Schievink trägt sich am Samstag in das Buch ein. „Dass man gar nicht mehr so unbekümmert irgendwo hingehen kann“, machte ihr zu schaffen. Wegen der großen Anteilnahme hat die Stadt schon neue Seiten im Kondolenzbuch ergänzt.

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