Immer mehr Städte setzen im Kampf gegen den Taubendreck auf natürliche Feinde.

Tauben haben vor nichts Angst, schon gar nicht vor dem Menschen. Damit haben sie sich ganze Innenstädte erobert. Verschlimmert wird die Plage durch Menschen, die unerlaubt Tauben füttern.
Tauben haben vor nichts Angst, schon gar nicht vor dem Menschen. Damit haben sie sich ganze Innenstädte erobert. Verschlimmert wird die Plage durch Menschen, die unerlaubt Tauben füttern.

Tauben haben vor nichts Angst, schon gar nicht vor dem Menschen. Damit haben sie sich ganze Innenstädte erobert. Verschlimmert wird die Plage durch Menschen, die unerlaubt Tauben füttern.

dpa

Tauben haben vor nichts Angst, schon gar nicht vor dem Menschen. Damit haben sie sich ganze Innenstädte erobert. Verschlimmert wird die Plage durch Menschen, die unerlaubt Tauben füttern.

Bonn. Wenn Ronny losfliegt, suchen Tauben das Weite. Vom Arm des Falkners Lothar Ciesielski startet er mit mächtigen Flügelschlägen zu seinen Einsätzen. Er soll vom Dach der Fronhofer Galeria in Bonn-Bad Godesberg das Einkaufszentrum von Taubenschwärmen befreien und die Tiere vertreiben.

Jagen oder reißen soll er sie bei seinen Flügen nicht - als Belohnung erhält er von Ciesielski kleine Leckerbissen. Seit Gerfalke Ronny abwechselnd mit anderen Greifvögeln, darunter auch Wüstenbussarde, in der Gegend kreist, hat sich die Taubenzahl deutlich verringert.

Zu den Einsatzgebieten der Vogeltruppe von Ciesielski zählen etwa auch noch der Großmarkt in Köln und der Düsseldorfer Landtag. Übliche Maßnahmen gegen die Plage wie die Fütterung von Hormonen zur Eindämmung der Vermehrung, Elektrozäune und Stahlspitzen auf Hausdächern gehen meistens ins Leere. Es müssen schon natürliche Feinde sein.

In freier Wildbahn ist die Taube Hauptbeutetier von Greifvögeln - und sie wissen das genau. Den Menschen fürchten sie anscheinend gar nicht, auch wenn er noch so nahe kommt.

Die Taubenplage grassiert in vielen Städten und Kommunen in Nordrhein-Westfalen und auch bundesweit. "Jede Großstadt hat ein Taubenproblem - wo viele Menschen sind, sind auch viele Tauben", erläutert der Falkner Jack van Aerts, der mit seinen Greifvögeln von der Eifel bis ins Ruhrgebiet hinein tätig ist.

"Eine Taube hinterlässt im Schnitt pro Jahr 15 Kilogramm Nasskot."

Lothar Ciesielski, Falkner

Mit Netzen, Nadelspitzen und Stromdrähten versucht die Stadt Wuppertal öffentliche Gebäude und vor allem Schwebebahnhöfe vor Tauben beziehungsweise deren Kot zu schützen. Sanftere Methoden setzt die "Arbeitsgruppe Stadttauben" ein. 27 Freiwillige helfen den Tieren mit einem Taubenhaus, gleichzeitig befreien sie die Stadt vom Kot unnatürlich großer Taubenschwärme. Um die Population zu verringern, werden Taubenpillen verteilt und echte gegen Plastik-Eier ausgetauscht.

Vor Gericht musste sich eine Tierschützerin aus Viersen verantworten: Sie sollte Tauben gefüttert haben. Das ist in Viersen verboten. Ein Anwohner hatte sie angezeigt. Gegen den Bußgeldbescheid der Stadt legte sie Einspruch ein. So ging die Sache vors Amtsgericht. Die Frau erklärte, sie habe nicht füttern, sondern die flugunfähigen und vom Tod bedrohten Jungtiere locken, fangen und aufpäppeln wollen. Die Richterin stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein.

Verschlimmert wird die Lage in Städten durch Menschen, die unerlaubt Tauben füttern. Es ist ein alltägliches Bild: Am Bonner Schlossplatz verfüttern Schülerinnen Pizzareste an herbeifliegende Tauben, es werden immer mehr. Das ist an sich verboten - aber selten hält sich jemand daran. In Bonn legen sich jetzt bisweilen auch Kontrolleure des Ordnungsamts in Geschäften hinter Schaufenstern auf die Lauer, um die Fütterer zu ertappen.

In Bonn-Bad Godesberg waren nächtens schon mal gleich mehrere Menschen unterwegs, um insgeheim Futter zu verstreuen. Dabei wird auch erfinderisch zu Werke gegangen: Körner rieseln aus Einkaufsbuggys. Bei 46 Kontrollgängen des Ordnungsamts wurden drei Taubenfreunde erwischt und über ihr Vergehen aufgeklärt. Als Motiv gaben sie falsch verstandene "Tierliebe" an. Sie mussten ein Bußgeld zahlen.

"Eine Taube hinterlässt im Schnitt pro Jahr 15 Kilo Nasskot", erklärt Ciesielski, der in einer Falknerfamilie aufgewachsen ist und seit elf Jahren als professioneller Falkner arbeitet. Wenn der Kot trockne, setze er giftige chemische Substanzen in Form von feinstem Staub frei. Der zieht dann etwa in Lüftungen von Klimaanlagen - wo Tauben mit Vorliebe und ganzjährig brüten - und gelangen unmittelbar in die Atemwege des Menschen.

Tauben sind Krankheitsüberträger und können etwa Salmonellen an den Menschen weitergeben. Passanten haben den Kot auch unter ihren Schuhen und betreten Läden und Märkte.

Auch Unternehmen wie Thyssen-Krupp, Krankenhäuser oder Altenheime sind Kunden der professionellen Falkner, deren Stundenlohn zwischen 30 und 40 Euro liegt. "Die ätzende Säure im Kot der Tauben frisst sich durch die Maschinen der Unternehmen, behindert die Produktionsabläufe oder gelangt in Berührung mit Lebensmitteln im Industriegewerbe", so Ciesielski.

Etwa 100 bis 120 Tiere umfasst ein Schwarm, von denen gleich mehrere die größeren Innenstädte bevölkern. Vor allem historische Gebäude und Denkmäler sind von Verschmutzungen betroffen. Die Stadtreinigung werde mit dem Taubendreck nicht mehr fertig, hieß es aus der Bonner Stadtverwaltung.

Das Übel ist unübersehbar: Ein Aushängeschild und gern fotografierte Attraktion der Stadt ist eine Statue des Komponisten Ludwig van Beethoven - leider oft ein mit Taubenkot verschmutzter Schandfleck.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer