Überzogenes Gehalt und teurer Dienstwagen für den Chef der Parkinson Vereinigung in Neuss.

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Neuss. Top-Gehalt und dubiose Konten: Die Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) ist Vorwürfen der Verschwendung ausgesetzt. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, der 54-jährige Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Mehrhoff beziehe ein für eine Selbsthilfegruppe ungewöhnlich hohes Jahresgehalt von rund 200 000 Euro und fahre einen fast 50 000 Euro teuren Dienstwagen (Audi A6 Avant S-Line mit abgedunkelten Fenstern).

Der Jurist Mehrhoff sagte am Montag, er prüfe rechtliche Schritte gegen den "Spiegel". In dem Bericht ist zudem von einem weit verzweigten System von bundesweit rund 2000 Bankkonten der Selbsthilfevereinigung die Rede. Die dPV mit Sitz in Neuss hat rund 23 000 Mitglieder.

Mehr als die Hälfte der Einnahmen für die Verwaltung verbraucht?

Mit 1,1 Millionen Euro seien 2008 mehr als die Hälfte der dPV- Ausgaben in die Bundesgeschäftsstelle in Neuss geflossen, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf den nichtöffentlichen Bericht von Wirtschaftsprüfern. In der Neusser Zentrale seien neben Mehrhoff noch eine Stellvertreterin und zwei Halbtagskräfte beschäftigt.

Das Büro mit rund 360 Quadratmetern koste knapp 5000 Euro. Die Vorsitzende der Vereinigung, Magdalene Kaminski, sagte, das dPV-Büro sei eher eine umgebaute Lagerhalle: "Das ist sehr schlicht und einfach. Da bin ich was anderes gewöhnt."

Nach Angaben des "Spiegel" haben zwei an Parkinson erkrankte Insider ein "Schwarzbuch dPV" verfasst, in dem sie der Spitze der Vereinigung ein System der Selbstbedienung vorwerfen. Das Buch solle diese Woche in einem Kölner Verlag erscheinen. Mehrhoff wollte sich zu den Vorwürfen inhaltlich nicht äußern. Magdalene Kaminski aus Bochum lud die insgesamt zehn Vorstandsmitglieder der Vereinigung am Montag umgehend zu einer Krisensitzung ein. Auch sie erwäge rechtliche Schritte.

Bei der Parkinsonschen Krankheit (Morbus Parkinson) zerfallen Zellen des Mittelhirns. Sie produzieren dann kein Dopamin mehr, mit dessen Hilfe der Körper normalerweise Bewegungen steuert. Zahlreiche Störungen, die sich mit dem stetigen Fortschreiten des Leidens verstärken, sind die Folge. Typisch ist der Verlust über die Kontrolle der Arm- und Beinmuskeln (Schüttellähmung). Hinzu kommen eine leise und monotone Sprache, verminderte Mimik, ein Gang in kleinen Schritten, oft eine starre Haltung. Viele Patienten leiden unter Muskelzittern, einige an Depressionen. Die Krankheit wurde erstmals vom englischen Arzt James Parkinson im Jahre 1817 beschrieben. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Die Deutsche Parkinson-Vereinigung Bundesverband e.V. (dPV) versteht sich als Selbsthilfe Vereinigung, deren Ziel es ist, die Lebensumstände von Parkinson-Patienten und deren Partnern zu verbessern. Die dPV wurde 1981 von Menschen gegründet, die selbst von der Parkinsonschen Krankheit betroffen waren.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wird keine Ermittlungen zu den Vorwürfen gegen den Selbsthilfeverein aufnehmen. Für einen Anfangsverdacht seien die Angaben "zu wenig konkret". So sei das Gehalt Mehrhoffs auf Grundlage der Gesamtpersonalkosten der Neusser dPV-Zentrale in Höhe von 312 000 Euro "hochgerechnet" worden.

Laut "Spiegel" verfügt die Parkinson-Selbsthilfe seit 2004 nicht mehr über das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Nach Angaben von DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke hat die Parkinson Vereinigung seither "keinen erneuten Antrag auf Verlängerung" des Spendensiegels gestellt.

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