Streit in Oberwiesenthal: Soll dort die Meisterschaft im Nackt-Rodeln ausgetragen werden?

Spärlich bekleidete Teilnehmer des Nackt-Rodelns im Harzer Kurort Braunlage im März 2009. 12.000 Besucher erfreuten sich im vergangenen Jahr an dem Event.
Spärlich bekleidete Teilnehmer des Nackt-Rodelns im Harzer Kurort Braunlage im März 2009. 12.000 Besucher erfreuten sich im vergangenen Jahr an dem Event.

Spärlich bekleidete Teilnehmer des Nackt-Rodelns im Harzer Kurort Braunlage im März 2009. 12.000 Besucher erfreuten sich im vergangenen Jahr an dem Event.

dpa

Spärlich bekleidete Teilnehmer des Nackt-Rodelns im Harzer Kurort Braunlage im März 2009. 12.000 Besucher erfreuten sich im vergangenen Jahr an dem Event.

Oberwiesenthal. Im sächsischen Schnee-Paradies Oberwiesenthal tobt ein bizarrer Streit: Soll es in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands Anfang März wirklich eine "Oben-Ohne-Meisterschaft" im Rodeln geben?

Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) hat sich schon als Gegner des Spektakels geoutet. Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog weiß nicht so recht. Es sei ihm zwar ein Anliegen, dass in dem Ort am Fichtelberg was passiert.

Der Ex-Skispringer findet die Idee "nicht das Allerschlechteste - aber ob’s das jetzt bringt?" Weißflog betreibt ein Hotel am Fuße des Fichtelbergs, und da zählt vor allem die Anzahl der Gäste-Buchungen, unabhängig von den Klamotten auf der Piste.

"Für Männer ist das was, die wollen so was."

Pensionsbesitzerin aus Oberwiesenthal

Zur "Oben-ohne-Meisterschaft" dürften selbstverständlich auch Bikinis getragen werden, sagt Jochen Nöske. Der Gastronom tritt als Sprecher des 2009 gegründeten SC Traktor Oberwiesenthal auf. Der Verein nimmt im Internet schon Anmeldungen für das "Oben ohne"-Rennen entgegen - noch bevor das Spektakel offiziell angemeldet ist.

"Wir ziehen Touristen an, auf jeden Fall mehr als 10.000", sagt Nöske. Dass er damit richtig liegen könnte, zeigt die Nackt-Rodel-Premiere vor einem Jahr in Braunlage (Niedersachsen) im Harz mit 12.000 Besuchern. Negativ in Erinnerung geblieben sei nichts, allenfalls, dass es wegen des unerwartet großen Ansturms an jenem 7. März 2009 "etwas chaotisch" gewesen sei, hieß es in der Rückschau aus dem dortigen Rathaus.

Das Rennen soll laut Werbeflyer am Abend des 5. März stattfinden. Wo genau, ist aber noch unklar.

Jochen Nöske spricht vom "Zieleinlauf vor dem Rathaus" - aber damit will er wohl nur den Bürgermeister ärgern. Der wiederum ist sich sicher, dass Nöske einfach zur Tat schreitet, egal ob das Rennen genehmigt wird oder nicht. Auf der Homepage von Nöskes Verein kann für oder gegen die Veranstaltung abgestimmt werden.

Garantiert nicht dabei sein wird Ehrenbürger Jens Weißflog. "An dem Tag ist Weltcup in Finnland", sagt der 45-jährige ZDF-Sportexperte - ganz ohne Bedauern.

Oberwiesenthals Bürgermeister Ernst aber kann die Aussicht auf einen Publikumsrenner nicht beeindrucken. Er wurde erst vor wenigen Tagen kalt von der Werbung fürs Nackt-Rodeln erwischt.

"Ganze Fußballmannschaften werden Busse anmieten."

Pensionsbesitzerin

Viele Bürger hätten ihn inzwischen darauf angesprochen, und die meisten seien wie er selbst dagegen. Ernst weiß, dass der Kurort vor allem vom Wintersport-Tourismus lebt. "Oberwiesenthal braucht selbstverständlich immer wieder neue Highlights", diese müssten aber niveauvoll sein, findet der 41-Jährige.

Seine Vorbehalte macht Ernst auch an Organisator Nöske fest, dem er schlicht die Seriosität abspricht. Tatsächlich gilt dieser als schillernde Figur, für die Boulevardpresse ist er der "Kneipen-König" von Leipzig, wo er ebenfalls lebt. Nöske selbst sieht in dem Spektakel ein Angebot an die Jugend, für die es in dem Wintersportort bisher viel zu wenig gebe.

Für eine Pensionsbesitzerin ist die Angelegenheit eher eine Sache des Geschlechts: "Für die Männer ist das was, die wollen so was." Sie würde sich auch nicht wundern, wenn "ganze Fußballmannschaften aus der Region Busse anmieten und zu dem Gaudi-Rennen anreisen". Ein anderer Hotelier denkt vor allem an das Image. Das Rennen sei "negative PR" für Oberwiesenthal, sagt er. Er glaubt nicht, dass "Oben ohne" sein Geschäft ankurbelt.

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