Vier Jugendliche schikanieren einen Obdachlosen. Das Geschehen eskaliert, ein vorbestrafter 16-Jähriger zertrümmert dem wehrlosen Sehbehinderten schließlich den Schädel. Seit Mittwoch steht der Schüler wegen Mordes vor Gericht.

Moers (dpa). Ein 16-jähriger Schüler muss sich seit Mittwoch wegen Mordes an einem Obdachlosen in Moers vor Gericht verantworten. Er soll dem sehbehinderten Mann im vergangenen Mai in Kamp-Lintfort den Schädel zertrümmert haben.

Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Der Jugendliche ist bereits vorbestraft. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Jugendhaft. Die Mutter des Opfers tritt als Nebenklägerin auf. Das Opfer hatte noch versucht, seinen Peiniger mit seinem Handy zu filmen und dabei einen Wortwechsel aufgenommen, bevor das Handy zerstört wurde.

Angehörige beschreiben das Opfer als ausgesprochen friedfertig

Der Prozess des Landgerichts Kleve findet in Moers wegen der Jugend des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Angehörige beschrieben das Opfer, das in einem Auto auf einem Schwimmbad-Parkplatz lebte, nachdem seine Wohnung in Duisburg ausgebrannt war, als ausgesprochen friedfertig.

"Das war ein ganz, ganz netter Mensch. Er war auch immer nett zu den Jugendlichen, obwohl ihm früher schon mal welche das Nasenbein gebrochen haben", sagte die Nichte des 51-Jährigen am Rande der Verhandlung. Einzelheiten zum Verlauf des Prozesses gab das Gericht zunächst nicht bekannt.

Täter brüsteten sich mit dem Mord

Im Polizeiverhör hatte der wegen Gewalttaten bereits vorbestrafte Schüler die Tat gestanden. Ein weiterer Jugendlicher ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, zwei weitere wegen Sachbeschädigung. Weil sich die Täter mit dem Mord brüsteten, kam ihnen die Polizei auf die Spur. Sie hatten damals ausgesagt, dass sie aus Langeweile begonnen hätten, den Obdachlosen zu "ärgern". Das Geschehen soll dann in einen brutalen Exzess des 16-Jährigen ausgeartet sein.

Zunächst sollen zwei Jugendliche den Kleinwagen des Mannes demoliert haben. Der Hauptangeklagte soll auf das Auto gesprungen sein und auch die Heckscheibe des Wagens eingetreten haben. Zwei der mitangeklagten Jugendlichen sollen sich in dem Moment abgesetzt haben. Dann haben nach Überzeugung der Anklage zwei der Jugendlichen auf den wehrlosen Frührentner eingeschlagen.

Die Anklage geht davon aus, dass der mutmaßliche Haupttäter mindestens zweimal mit einem kantigen Gegenstand zugeschlagen und auch das Handy des Opfers zerstört hat. Mit dem Wagen des Opfers sei er auf dem Parkplatz umhergefahren, bevor er nochmals auf den Obdachlosen eingedroschen habe.

Der Obdachlose erstickte am eigenen Blut

Um seine Beteiligung an den Quälereien zu vertuschen, soll er den Mann ermordet haben. Der Obdachlose erlitt einen Trümmerbruch des Schädels und war laut Obduktionsergebnis an seinem eigenen Blut erstickt. Passanten hatten die Leiche entdeckt. Der Mann war schon früher bedroht worden. Im Januar hatte er Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Auf dem Handy fanden die Ermittler ein 20 Sekunden langes Gespräch zwischen dem Obdachlosen und einem seiner Angreifer. Es soll unmittelbar vor der Tat aufgenommen worden sein und endet abrupt mit einem lauten Geräusch - es kam vermutlich zustande, als das Handy zerstört wurde. Die Polizei hatte die Aufnahme veröffentlicht und daraufhin viele Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Wichtige Spuren fanden die Ermittler auch am demolierten Auto. Dort hatten die Jugendlichen Schuh- und Fingerabdrücke hinterlassen. Fünf Verhandlungstage sind angesetzt.

Das Urteil soll am 20. Dezember verkündet werden.

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