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Gefolgt von ihrer Mutter, rodelt die neunjährige Anna einen kleinen Hügel am Aachener Weiher am Donnerstag (07.01.2010) in Köln hinunter. Der Deutsche Wetterdienst sagt den nächsten Schnee erst für das Wochenende voraus.

Gefolgt von ihrer Mutter, rodelt die neunjährige Anna einen kleinen Hügel am Aachener Weiher am Donnerstag (07.01.2010) in Köln hinunter. Der Deutsche Wetterdienst sagt den nächsten Schnee erst für das Wochenende voraus.

dpa

Gefolgt von ihrer Mutter, rodelt die neunjährige Anna einen kleinen Hügel am Aachener Weiher am Donnerstag (07.01.2010) in Köln hinunter. Der Deutsche Wetterdienst sagt den nächsten Schnee erst für das Wochenende voraus.

Düsseldorf/Aachen. Ganz Nordrhein-Westfalen rüstet sich für ein "sibirisches" Winterwochenende mit Schnee und Sturm. Während angesichts der weißen Pracht mit krachenden Minus-Temperaturen die Hoteliers in Sauerland und Eifel sich die Hände reiben, blicken Kulturfreunde besorgt nach Essen.

Der riesige Festakt im Freien zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas soll am Samstag mit erwarteten 100 000 Gästen planmäßig über die Bühne gehen, meldeten die Verantwortlichen am Donnerstag.

Beobachter sind gespannt, wie Bundespräsident Horst Köhler und EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie Tänzer und empfindliche Musikinstrumente Minus-Temperaturen mit Schneefall bei scharfem Wind verkraften. Bibbernden Schimpansen in den NRW-Zoos hilft jedenfalls schon seit Tagen warmer Tee, während Elefantenohren mit Fett vor Frostschäden geschützt werden.

Die Straßen-Winterdienste sind bereit. "Alles was Räder und Füße hat wird unterwegs sein", verspricht der für die Autobahnen verantwortliche Landesbetrieb straßen.nrw in Gelsenkirchen. Rund 2100 Straßenwärter mit 700 Streu- und Räumfahrzeugen stünden bereit:

"Und Salz haben wir auch, daran sollte es nicht scheitern", sagte ein Sprecher. Schätzungsweise rund 50 000 Tonnen des begehrten Streumittels seien gebunkert. "Bei den Schneemassen, die erwartet werden, kann es aber sein, dass wir nicht immer alle drei Autobahnspuren räumen können."

Auch die Deutsche Bahn sieht sich in NRW auf Schnee und Frost "nach menschlichem und technischem Ermessen" gerüstet. Probleme könnten allerdings festgefrorene Weichen und die Elektronik an Waggons und Schranken bereiten.

Auf dem Köln/Bonner Flughafen werden die Start- und Landebahnen täglich mit einer Acetat-Lösung gegen Eis und Schnee präpariert. "Das hält eine gewisse Zeit vor", sagte ein Flughafensprecher. "Aber irgendwann eben nicht mehr, da hilft dann nur noch Wegscheppen." Der Düsseldorfer Airport imponiert mit Zahlen:

160 Mitarbeiter stehen mit 200 Tonnen Sand und 200 000 Litern Enteisungsmittel für den Einsatz bereit. Wegen der Enteisung der Flugzeuge sei am Wochenende wohl mit einer Verspätung von rund einer halben Stunde zu rechnen. Sollten andere Flughäfen wetterbedingt geschlossen werden, könnten Landungen in Düsseldorf hinzukommen, sagte Airport-Chef Christoph Blume.

Krach gibt es um das selten gewordene Streusalz: Der Städte- und Gemeindebund NRW machte die Hersteller für die leeren Streusalzlager in den Kommunen verantwortlich und warf den Salz-Produzenten vor, vorrangig die Autobahn- und Straßenmeistereien zu beliefern.

Nur noch wichtige Kreuzungen und stark befahrene Straßen mit Steigungen werden beispielsweise in Aachen vom Eis befreit. "Es ist ein bundesweites Problem. Sämtliche Kommunen stehen vor derselben Situation", erläuterte Dieter Lennartz, Abteilungsleiter Winterdienst beim Aachener Stadtbetrieb.

"Wir haben unser Möglichstes getan, aber der Markt ist wie leer gefegt." Der Kreis Kleve teilte seinen wetterfesten Radlern mit, dass 80 Kilometer Radwege - im Gegensatz zu den Hauptverbindungsstraßen - nicht mehr mit Salz gestreut werden könnten.

Erlaubt ist, was schliddert: So heißt es am Sonntag im sauerländischen Udenbreth bei einem Rodelwettbewerb der besonderen Art. Beim "Ugly Snowmobil Contest" ist als Gefährt nahezu alles zugelassen. "Highlight im vergangenen Jahr waren die Mitglieder eines Herrenballetts, die mit einem alten Sofa herunter rodelten", sagte eine Sprecherin der Touristeninformation Hellenthal am Donnerstag. Andere Teilnehmer sausten mit Kissen oder Kochtöpfen den Berg hinab.

Sehr ernsthaft warnen die Feuerwehren davor, nicht-freigegebene Eisflächen zu betreten. Auch der strenge Nachtfrost sei keine Garantie, dass das Eis auf Flüssen und Seen wirklich sicher sei.

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