Nach dem Althaus-Unfall wird der Kopfschutz knapp. Der Testsieger ist schon ab 80 Euro zu haben.

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Bevor der russische Präsident Dimitri Medwedew sich Skier anschnallt, sollte er sich wie der Junge einen Helm aufsetzen. Abfahrten mit einer Pudelmütze sind lebensgefährlicher Leichtsinn.

Bevor der russische Präsident Dimitri Medwedew sich Skier anschnallt, sollte er sich wie der Junge einen Helm aufsetzen. Abfahrten mit einer Pudelmütze sind lebensgefährlicher Leichtsinn.

dpa

Bevor der russische Präsident Dimitri Medwedew sich Skier anschnallt, sollte er sich wie der Junge einen Helm aufsetzen. Abfahrten mit einer Pudelmütze sind lebensgefährlicher Leichtsinn.

Düsseldorf. Nach dem schweren Skiunfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sind Schutzhelme immer stärker gefragt. In vielen Sportgeschäften werden die Kopfbedeckungen, die in den vergangenen Jahren immer häufiger auf den Skipisten zu sehen waren, jetzt knapp. "Seit dem Unfall von Althaus verkaufen wir so viele Helme wie noch nie", heißt es bei Karstadt Sport in Düsseldorf. Eine derartige Nachfrage habe es wenige Tage zuvor nicht gegeben. Seien vorher vor allem Kinderhelme gefragt gewesen, "kaufen jetzt auch die Erwachsenen".

Althaus war am Neujahrstag auf einer Piste in Österreich mit einer Skifahrerin (41) zusammengestoßen. Die Frau kam dabei ums Leben. Im Gegensatz zu Althaus trug sie keinen Helm und erlitt schwere Kopfverletzungen. Der tragische Unfall hatte die Diskussion um eine Helmpflicht auf Skipisten erneut entfacht.

Jetzt gehen auch immer mehr Erwachsene auf Nummer Sicher

In Donnersbachwald in der Steiermark, wo das Unglück auf der Riesneralm passierte, ist man sich sicher, dass seit dem Unfall mehr Skihelme verkauft wurden. "Es sind die Erwachsenen, die jetzt sagen: Ich nehm’ einen Helm, weil’s sicherer ist", sagte eine Verkäuferin im Geschäft "Sport-Scherz Riesneralm". Andere Sportartikelhändler sind allerdings vorsichtiger bei der Einschätzung des Althaus-Effekts. Skihelme sind den Fachleuten zufolge schon seit einigen Jahren stark im Kommen.

"Der Unfall hat noch einmal einen Schub gegeben, der Absatz war aber schon vorher sehr gut", sagt Michael Kreis von Sport Borgmann in Krefeld. "Aber wir haben auch schon im vergangenen Winter gut verkauft." Es habe zwar lange gedauert, aber nun hat auch der Skifahrer begriffen, "dass auch er nur ein Leben hat". Bei Motorrad- und Radfahrern sei es ähnlich gewesen, so Kreis, jetzt sei es aber ganz normal, den Kopf zu schützen. Dann spielt auch der Kaufpreis nicht die wichtigste Rolle, so Kreis: "Beim Thema Sicherheit dürfen es dann auch ein paar Euro mehr sein." Die Preise für Helme liegen zwischen circa 30 Euro für einen einfachen Kinderhelm bis über 200 Euro für eine professionelle Kopfbedeckung.

Die Hersteller können sich vor Anfragen kaum mehr retten

Bei den Herstellern ist der aktuelle Nachfrage-Boom deutlich zu spüren. Seit Freitag sei bei Uvex für Skihelme die fünffache Menge der sonst üblichen Händlernachfrage eingegangen, sagte eine Sprecherin des Fürther Unternehmens. Etwa 10 000 Helme seien zusätzlich bestellt worden. Uvex ist nach eigenen Angaben Marktführer unter den deutschen Herstellern von Skihelmen. Ähnlich sieht es beim sächsischen Hersteller Casco aus: "Wir konnten uns heute vor Anfragen gar nicht retten. Jeder scheint jetzt einen Helm zu brauchen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens in Bretnig-Hauswalde.

Unterschieden wird zwischen Halbschalen- und Vollschalenhelmen, erklärt die Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) in Planegg bei München. Für Erwachsene werden vor allem erstere angeboten. Sie haben weiche gefütterte Ohrenpads, die bei warmen Temperaturen abgenommen werden können. Doch auch mit ihnen lässt sich gut hören. Für Kinder und Rennsportler empfiehlt die SIS dagegen Vollschalenhelme, da sie noch mehr Schutz bieten.

Ein Skihelm muss zum Kopf passen. Deshalb ist es unverzichtbar, dass er im Laden anprobiert wird. Der Tüv Rheinland rät, beim Anprobieren das Kinnband nicht zu schließen und den Kopf zu schütteln. Der Helm dürfe dann nicht wackeln oder verrutschen. So bleibe er auch bei einem Sturz, wo er hingehört. Zur Feineinstellung verfügen einige Helme über ein verstellbares Kopfband. Mit ihm lasse sich aber nicht ein zu großer Helm an einen kleinen Kopf anpassen, warnt die Stiftung Warentest in Berlin. Außerdem müssen Helm und Skibrille zusammenpassen. Deshalb wird die Brille zum Kauf am besten mitgenommen. Die Brille sollte im Gesicht bündig mit dem Helm abschließen, rät die SIS. Das Blickfeld dürfe weder durch den Helm noch durch die Brille eingeschränkt sein.

Beim Kauf sollte unbedingt auf eine Notöffnung des Kinnriemens geachtet werden, rät die Stiftung Warentest. Der Verschluss muss den Helm fest am Kopf halten, damit er sich bei einem Sturz nicht löst. Andererseits muss er sich aber öffnen, wenn man an ihm hängen bleibt. Das Gurtsystem sollte sich daher bei Belastungen von mehr als 100 Kilogramm lösen, empfehlen die Warentester. Ein guter Kinnriemen ist laut SIS zudem gepolstert und in mehreren Stufen anpassbar.

Nach einem schweren Sturz kaufen Wintersportler besser einen neuen Helm. Das gilt auch, wenn er äußerlich nicht sichtbar beschädigt ist. Durch die Energieaufnahme verformt sich das Material, es können sich außerdem winzige Risse bilden. Dann schützt der Helm nicht mehr optimal, erklärt die SIS. Nach drei bis fünf Jahren sollte dann jeder Helm ausgetauscht werden, rät die Stiftung Warentest - denn durch die UV-Strahlung im Gebirge verliere die Schale mit der Zeit ihren Schutz.

Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Winter (Heft Januar 2008) Skihelme getestet. Der Sieger "Casco Powder" kostet je nach Größe zwischen 80 und 110 Euro. Gut abgeschnitten haben auch "Head Stratum Supershape" (120 Euro), "Scott Biomex" (150 Euro), "Uvex X-ride motion" (110 Euro) und "Giro G9" (120 Euro).

Der Deutsche Skiverband (DSV) rät allen Skiläufern, Helme zu tragen - eine gesetzliche Pflicht lehnt der Verband aber ab. Laut der Auswertungsstelle für Skiunfälle der ARAG Sportversicherung betrug der Anteil der Helmträger im alpinen Skisport in der Saison 2006/2007 bei Erwachsenen rund 27 Prozent und bei Kindern über 55 Prozent. In Italien gilt seit Anfang 2005 auf Skipisten eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche unter 14Jahren.

Nach Angaben des Wiener Sportmediziners Christian Gäbler sind etwa elf Prozent aller Verletzungen beim Skifahren Kopfverletzungen. "Gerade für sportliche Fahrer und insbesondere für Kinder ist ein Skihelm ein Muss", sagt Gäbler. "Bei Kindern besteht ein erhöhtes Risiko für Schädelverletzungen durch das - im Vergleich zum restlichen Körper - größere Gewicht des Kopfes und die schwächere Muskulatur." Ein guter Skihelm könne 85 Prozent aller schweren Kopfverletzungen verhindern. "Das ist umso wichtiger, als fast alle tödlichen Verletzungen beim Skifahren durch Kopfverletzungen verursacht werden."

Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen wurden in der Saison 2006/2007 rund 43 000 bis 45 000 deutsche Skifahrer verletzt. Bei rund 6500 Wintersportlern waren die Verletzungen so stark, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Hier sei seit Mitte der 90er Jahre ein stetiger Rückgang zu beobachten, sagte der Leiter der Auswertungsstelle für Skiunfälle, David Schulz. Auch die Zahl der Kollisionen sei insgesamt zurückgegangen. Schulz ruft dazu auf, unbedingt die zehn Pistenregeln des Internationalen Skiverbands FIS zu beachten, die auch bei Unfällen von den Gerichten als Grundlage herangezogen würden. Darin heißt es unter anderem: "Jeder Wintersportler muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt."

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