Die Kölner nehmen am Wochenende den neuen Museumskomplex am Neumarkt begeistert in Besitz.

Köln. Die Menschentraube vor dem Eingang des neuen Kulturquartiers am Neumarkt wird von Minute zu Minute größer. Schon vor der Öffnung der Türen um 10 Uhr stehen die Kölner vor ihrem neuen Museumskomplex, um diesen endlich in Besitz zu nehmen. Als die Türen aufgehen, strömen die Besucher kreuz und quer durchs 7000 Quadratmeter große Haus. "Das ist fantastisch. Hier ist alles vom besten und mit so viel Liebe wie Sachverstand eingerichtet", freut sich Wilfried Braun aus Leverkusen.

Für Lukas (13) und Marten (11) aus Köln ist der Gang durchs neue Museum eine tolle Entdeckertour. "Ich finde es toll, dass hier im Museum alles zusammensteht. Manche Museen haben viele Bilder, andere historische Sachen, hier alles in einem Raum. Das gefällt mir", sagt Lukas. Nebenan erkundet Student Andreas Reifschneider aus Gummersbach die Räume: "Ich bin das erste Mal in so einem Museum und sehr positiv überrascht. Vor allem die Technik und die Medien, mit denen hier alles präsentiert wird, finde ich spannend."

"Ein Besuch impft gegen den populistschen Unfug, der zurzeit die Runde macht"

Wolfgang Niedecken

Im Museum Schnütgen steht Jürgen Neumann als ehrenamtlicher Helfer für Fragen der Besucher zur Verfügung. "Ich mache das einmal die Woche und freue mich sehr über die neuen Räume. Es ist gut, dass so viele schöne Sachen jetzt aus dem Keller geholt werden konnten. Bislang habe ich von den Leute nur Lob gehört." Besonders gefällt dem begeisterten Asienurlauber, dass nun mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum und dem Museum Schnütgen zwei Museen zusammenkommen, für deren Themen er sich sehr interessiert.

Bereits am Freitagabend hatten 2000 geladene Gäste bei der großen Eröffnungsgala die Möglichkeit, das neue Haus zu erkunden: "Das war das erste Museum, das ich besucht habe. Danach wollte ich unbedingt Archäologe werden. Ich habe in den Kriegstrümmern nach Fundstücken gesucht und sie in den Obstkisten aus dem Laden meines Vaters sorgfältig geordnet", erinnert sich Bap-Frontmann Wolfgang Niedecken an seine erste Begegnung mit dem alten Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring.

Vom neuen Kulturquartier ist der Musiker begeistert: "Dieses Museum fördert das Verstehen der Kulturen und nimmt uns unsere europäische Überheblichkeit. Ein Besuch impft gegen den populistischen Unfug, der zurzeit die Runde macht", freut sich Niedecken.

Am 4. November eröffnet das neue Rautenstrauch-Joest-Museum seine erste Sonderausstellung. Unter dem Titel "Afropolis. Stadt, Medien, Kunst" geht es um die afrikanischen Großstädte Kairo, Lagos, Kinshasa, Nairobi und Johannesburg. Gezeigt wird die Entwicklung der Metropolen mit den Arbeiten von Künstlern. Die Schau präsentiert Grafiken, Malerei, Fotografie, Skulpturen, Installationen, Design und Comics.

Lob gibt es während der offiziellen Eröffnung von allen Seiten. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeigt sich sehr angetan: "Das Museum Schnütgen hat meine Vorstellung vom Mittelalter etwas verändert. Es ist hell und freundlich. Man sieht durch die Nähe gerade bei den Kirchenfenstern Details, die man in einer Kirche oft nicht erkennen kann."

Für Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner kommt das neue Gebäude zur rechten Zeit: "Das ist ein tolles Haus. Die Stadt braucht so ein positives kulturelles Ereignis in einer Zeit, in der die negativen Schlagzeilen oft das Geschehen bestimmen."

Nur lobende Worte findet der Chef des Museums Ludwig, Kasper König, nach seinem Rundgang: "Das Museum ist voll auf Höhe der Zeit und trifft den Nerv."

"Die Stadt braucht so ein positives kulturelles Ereignis in einer Zeit, in der die negativen Schlagzeilen oft das Geschehen bestimmen"

Barbara Schock-Werner

Mit seinem Namen steht Ludwig Theodor von Rautenstrauch für die Kulturen der Welt: "Ich war jede Woche hier auf der Baustelle und habe mir alles angeschaut. Es ist ein tolles Haus geworden, über das ich mich sehr freue", sagt der Vorsitzende der Museumsgesellschaft des Rautenstrauch-Joest-Museums.

Düsseldorfs Regierungspräsidentin Anne Lütkes hat den langen Prozess des Kulturquartiers als langjähriges Kölner Ratsmitglied erlebt: "Ich bin glücklich, dass das Gebäude hier nun endlich eröffnet wird. Der Gedanke eines Doppelmuseums ist sehr faszinierend." Von der Wirkung des neuen Museumskomplexes für die Innenstadt ist der Chef von City-Marketing, Herbert Hamacher, überzeugt: "Ein Museum in der Größenordnung mitten in der City ist ein positives Zeichen für Köln."

Vier Oberbürgermeister haben das ambitionierte Projekt in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten begleitet. Neun Jahre davon Alt-OB Fritz Schramma: "Ich bin heute Abend zum ersten Mal hier und habe leider noch nicht viel gesehen. Aber nächste Woche komme ich mit Frau noch mal hierher und schaue mir alles in Ruhe an." Wichtig ist ihm das Thema Integration: "Dafür sind die Kulturen der Welt im Rautenstrauch-Joest-Museum ganz wichtig. Jeder junge Mensch sollte hier einmal gewesen sein, um zu begreifen was interkulturelle Verständigung bedeutet."

Für den amtierenden Oberbürgermeister Jürgen Roters sind in diesem Zusammenhang vor allem die Masken in der Ausstellung faszinierend: "Das ist eine tolle Vielfalt von Ausdrucksformen, die Völker verbindet egal, ob sie in Basel oder in Bali leben", freut sich das Stadtoberhaupt.

Und die Kölner strömten am Wochenende im Massen zum neuen Kulturtempel. Zeitweise musste der Komplex geschlossen werden, da maximal 4000 Besucher gleichzeitig im Kulturquartier sein dürfen. Da war für die Gäste Warten in der langen Schlange angesagt. Doch die Kölner nahmen es gelassen, hat es doch 15 Jahre gedauert, bis aus dem Kölner Loch ein Museumskomplex geworden ist.

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