Das System „Diana“ soll Probleme in der Weiche schon erkennen, bevor diese ausfällt.

Das System „Diana“ soll Probleme in der Weiche schon erkennen, bevor diese ausfällt.
Sebastian Prinz zeigt eine von 2100 schon umgerüsteten Weichen in NRW und ihre Stromkurve in der „Diana“-App.

Sebastian Prinz zeigt eine von 2100 schon umgerüsteten Weichen in NRW und ihre Stromkurve in der „Diana“-App.

Diese Sensoren im Stellwerk sind das Herzstück des neuen Systems, messen den Strom.

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Sebastian Prinz zeigt eine von 2100 schon umgerüsteten Weichen in NRW und ihre Stromkurve in der „Diana“-App.

Düsseldorf. Es gibt Sätze, die kein Bahnreisender gerne hört. Solche, die mit Verspätungen, Umleitungen oder gar Ausfällen zu tun haben. Einer von ihnen fängt an mit den Worten: „Liebe Fahrgäste, aufgrund einer Weichenstörung im Bereich . . .“ Genau die aber sollen Kunden des Verkehrsunternehmens in Zukunft kaum noch vernehmen müssen. Denn eine neue Technik legt die Weichen auf Deutschlands Schienen quasi ans EKG und soll Alarm schlagen, bevor eine Störung überhaupt auftritt.

Die Modernisierung ist Teil des Programms „Zukunft Bahn“. Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland 30 000 Weichen mit dem System „Diana“ (kurz für Diagnose und Analyse) ausgestattet werden – mehr als 40 Millionen Euro investiert die Bahn. In NRW sind schon jetzt 2100 von 5000 angepeilten Weichen angeschlossen.

Steigt der Stromverbrauch, schickt die Weiche eine SMS aufs Tablet

Wie es funktioniert, hat das Unternehmen am Mittwoch im Stellwerk am Düsseldorfer Hauptbahnhof demonstriert. „Weichen sind ein großes Thema. Unsere Achillesferse“, erklärt Michael Müller, Bezirksleiter Betrieb. Vier Fahrdienstleiter sitzen an ihren Stellpulten vor einer riesigen Panoramatafel voll blinkender Lichter. Eine Weiche soll umgestellt werden: Das Licht auf der Linie, die ein Gleis markiert, beginnt zu blinken – und springt dann auf eine andere Linie. Im Relaisraum ein paar Treppen tiefer hat in diesem Moment ein Kabel den Befehl zum Umspringen an die Weiche draußen weitergeleitet. Und die Sensoren in einer kleinen blauen Box mit der Aufschrift „Diana“ messen, wie viel Strom die Weiche für ihre Aktion dann braucht.

Steigt die Kraftanstrengung für das Umstellen, so ist das ein Indiz für ein sich anbahnendes Problem. Die EKG-Kurve geht in den gelben Bereich. Und Sebastian Prinz, Bezirksleiter für Leit- und Sicherheitstechnik, bekommt auf seinen Tabletcomputer eine SMS von der Weiche, dass sie überprüft werden will. „Bisher war es leider so: Die Störung war da, dann sind wir mal rausgefahren“, erklärt er. Jetzt wird nachgeschaut, bevor keine Züge die Weiche mehr passieren können.

Und das soll den Kunden mehr Verlässlichkeit bieten. Für wie viele Zugausfälle oder Verspätungsminuten Weichenstörungen sorgen, kann man bei der Bahn zwar nicht beziffern. Aber: Ihre Zahl liegt allein in NRW pro Jahr im niedrigen fünfstelligen Bereich. Laut Prinz hat „Diana“ sie bereits um 50 Prozent verringert.

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