Jecken feiern am Donnerstagauf dem Alter Markt in Köln. Mit der Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval im Rheinland.
Jecken feiern am Donnerstagauf dem Alter Markt in Köln. Mit der Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval im Rheinland.

Jecken feiern am Donnerstagauf dem Alter Markt in Köln. Mit der Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval im Rheinland.

Rolf Vennenbernd, Bild 1 von 2

Jecken feiern am Donnerstagauf dem Alter Markt in Köln. Mit der Weiberfastnacht beginnt der Straßenkarneval im Rheinland.

Köln/Düsseldorf.  Um 11 Uhr 11 haben die Narren am Donnerstag im Rheinland die Rathäuser gestürmt. In Düsseldorf nahmen die Möhnen den Bürgermeister gefangen. In Bonn griffen die Waschweiber an. Und in Köln forderte das Dreigestirn die Stadtschlüssel ein.

Bei strahlender Sonne hatten sich in Köln schon am frühen Vormittag viele zehntausend Narren versammelt. Kostümtrends in diesem Jahr sind Glitzer-Disco-Queen und Flower Power. In Köln gingen aber auch viele als Lebensmittel, zum Beispiel als Chipstüte, Pommes frites, Broccoli, Möhre oder Maggiflasche.

Dazwischen gab es den einen oder anderen Karnevalsmuffel. Oliver Albrecht (47) aus Wanne-Eickel fragte in Köln: „Ist hier ein Kostümfest oder was?“ Leon (13) ging demonstrativ in Zivil zur Schule und meinte zur Verkleidung seiner Mutter kopfschüttelnd: „Ihr seid ja alle krank!“

„Alaaf“ und „Helau“ sind die bekanntesten Narrenrufe in den rheinischen Karnevalshochburgen. „Alaaf“ jubeln die Jecken in einem geschlossenen Gebiet zwischen Aachen und dem Bergischen Land über Köln bis Koblenz. „Helau“ rufen Karnevalisten im Gebiet rund um Düsseldorf und Wuppertal bis nach Kleve, sowie südlich von Koblenz bis nach Mainz.

 

Ursprünglich stehen beide Ausdrücke in keinem Zusammenhang mit dem Karneval, sagt Alois Döring, Volkskundler beim Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn. Das Wort „al-aff“ tauchte im 15. Jahrhundert als Trinkspruch auf Bierkrügen auf. Es bedeutet „nichts geht über“ oder „über alles hinaus“. „Kölle Alaaf“ heißt also: „Nichts geht über Köln“. Im Karneval erklang „Alaaf“ in den 1820er Jahren zunächst in Köln und Aachen.

 

„Helau“ dagegen sei 1603 aus Tirol überliefert, sagt Döring. „Die Bedeutung des Wortes ist unklar.“ Es werde beispielsweise von hellblau oder halbblau - im Gegensatz zum Zustand ganz blau - abgeleitet, oder auch vom englischen „hello“. Im Düsseldorfer Karneval war „Helau“ schon in den 1830er Jahren zu hören.

 

„Alaaf“ und „Helau“ sind aber nicht die einzigen Schlachtrufe der Jecken. In Mönchengladbach laute der Narrenruf seit 1936 „Halt Pohl“, sagt Döring. Die niederrheinischen Narren wollten sich mit einem eigenen Karnevalsruf vom Düsseldorfer „Helau“ abgrenzen. „Halt Pohl“ bedeute so viel wie „Halt die Stange“ und symbolisiert die Treue zum heimischen Karneval. „Breetlook“ wird in Krefeld-Hüls gerufen, es bedeutet Porree.

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