Münster. Autofahrer aufgepasst: Schnee und Tauwetter werden viele Straßen in Nordrhein Westfalen auch am Freitag wieder in Rutschbahnen verwandeln. Nach Sturmtief "Jennifer", das Deutschland am Mittwoch die kälteste Nacht des Jahres beschert hatte, sorgt Tief "Keziban" nun für feuchte Luft im Land. "Das führt verbreitet zu Schneefall", sagte Oliver Klein vom Wetterdienst Meteomedia am Donnerstag in Bochum.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Freitag in Hochlagen bis zu 15 Zentimeter Neuschnee, im Flachland können bis zu zehn Zentimeter Schnee fallen. In der Nacht zum Donnerstag hatten Schnee und Glätte auf Nordrhein-Westfalens Straßen zu mehr als 220 Unfällen geführt. Es gab sieben Schwerverletzte. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf mehr als eine Million Euro.

Nach den sibirischen Temperaturen in dieser Woche bleibt es jetzt zunächst mild. Für Freitag erwarteten die Experten Temperaturen zwischen minus drei und Null Grad im Hochsauerland und Null bis zwei Grad im Flachland. "Glätte ist aber weiterhin ein Thema", sagte Klein. "Der Boden ist noch kalt vom starken Frost der letzten Tage. Schnee und Schneematsch bleiben deswegen auch bei milderen Temperaturen liegen."

Auch am Donnerstag kam es auf den Straßen in NRW zu zahlreichen Glätteunfällen. Eine 27 Jahre alte Frau starb auf einer Landstraße bei Coesfeld, nachdem ihr Wagen auf eisglatter Fahrbahn ins Rutschen geraten war und mit dem Auto eines Dortmunders zusammenprallte.

Beide Fahrzeuge schleuderten in einen Straßengraben. Die 27-Jährige aus einem Dorf der Umgebung starb noch am Unfallort. Der Dortmunder wurde schwer verletzt. Glück hatte ein 34 Jahre alter Mann, der auf der Autobahn 31 (Bottrop-Gronau) in einem Auto mit Sommerreifen unterwegs war. Sein Fahrzeug kam nahe der Anschlussstelle Ochtrup-Nord ins Schleudern und kippte auf die Seite. Der Mann blieb unversehrt.

Am Flughafen Köln-Bonn musste in der Nacht zum Donnerstag die Rollbahn zum Schneeräumen kurzzeitig gesperrt werden. Deshalb wurden nach Angaben eines Sprechers fünf Flüge nach Düsseldorf umgeleitet. Dies sei aber ganz normal und komme häufig vor, hieß es.

Auch die Schifffahrt hat weiter mit der Witterung zu kämpfen. Dickes Eis legt seit Mittwoch den Schiffsverkehr auf wichtigen Kanälen lahm. Deutschlands längste Wasserstraße, der Mittellandkanal, blieb auch am Donnerstag wegen zentimeterdicker Schichten gesperrt. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamt in Minden ist das Eis an manchen Stellen bis zu 20 Zentimeter dick.

"Wenn die Nachtfröste bleiben, wird sich da so schnell nichts ändern", hieß es. Auch der Dortmund-Ems-Kanal war auf einer Strecke von 50 Kilometern nicht befahrbar. Betroffene Schiffe sollten mit Eisbrechern befreit werden.

Ein schmerzhaftes Kälteexperiment hat ein Grundschüler in Dülme bei Münster gemacht. Der kleine Junge leckte bei bitterkalten minu zehn Grad an einer Straßenlaterne. "Er wollte anscheinend sehen, wie kalt der Mast ist, und klebte innerhalb von Sekunden fest", sagte ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr und bestätigte einen Bericht de "Westfälischen Nachrichten" (Donnerstag).

Der Schüler rief bei dem Vorfall am Mittwoch um Hilfe, so gut er das mit der festgefrorene Zunge konnte. Rettungssanitäter lösten das Kind mit einer warme Kochsalzlösung vom Mast.

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