An Altweiber waren 44 Personen in der Düsseldorfer Altstadt verletzt worden. Der Wirt hat den Eingriff gefilmt und verhängt Hausverbot gegen Hells Angels.

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Die Pizzeria Munzur wurde an Altweiber überfallen. Die Angreifer sollen Anhänger der Hells Angels sein.

Die Pizzeria Munzur wurde an Altweiber überfallen. Die Angreifer sollen Anhänger der Hells Angels sein.

sieckmeyer/dpa/montage:jp

Die Pizzeria Munzur wurde an Altweiber überfallen. Die Angreifer sollen Anhänger der Hells Angels sein.

Düsseldorf. Der Anschlag auf die Pizzeria Munzur in der Düsseldorfer Altstadt mit 44 Verletzten tauchte eher beiläufig bei der Altweiberbilanz der Polizei auf. Doch hinter der Attacke steckt Brisanz. Die Tat soll von Rockern der Hells Angels verübt worden sein, die Schutzgeld erpressen wollten. Davon jedenfalls ist Gastronom Eren Aksu überzeugt, der an dem Abend schwer verletzt wurde. Vier Verdächtige, drei Deutsche und ein Türke, wurden von der Polizei am Tatort festgenommen.

Aksu hat einen Film von dem Überfall. Die Bilder zeigen, dass keineswegs nur eine Mülltonne durch die Scheibe der Pizzeria an der Bolkerstraße geworfen wurde, wo tausende Narren an dem Abend Karneval feierten. Aksu: „Es ist auch ein Stuhl geflogen. Und Flaschen. Man kann sehen, dass sogar geschossen worden ist.“ Dann ist eine Hand zu sehen, die Pfefferspray durch die zerstörte Scheibe sprüht.

Auch zehn Polizisten waren bei dem Anschlag verletzt worden

Trotzdem breitete sich das Reizgas nicht nur in dem Lokal, sondern auch auf der Straße aus, wo die Menschen dicht gedrängt standen und schunkelten. 34 Passanten und zehn Polizisten erlitten leichte Augenverletzungen und mussten behandelt werden. Sehr schnell hatte die Polizei vier Tatverdächtige ausgemacht. Inzwischen gibt es offenbar deutliche Hinweis darauf, dass sie aus dem Rocker-Milieu stammen. Offiziell wollten die Fahnder das noch nicht bestätigen.

Gastronom war eine halbe Stunde vor der Attacke bedroht worden

Aksu ist ganz sicher, dass die Hells Angels hinter dem Anschlag stecken. Erst seit Dezember betreibt er die Pizzeria im Herzen der Altstadt: „Seitdem haben wir immer wieder Besuch bekommen. Wir sollten bezahlen und ich bin bedroht worden.“ Der Gastronom konnte der Polizei auch konkrete Namen nennen, darunter einen Kollegen aus einem Nachbarlokal, der schon seit Jahrzehnten als einer der führenden Köpfe der Hells Angels gilt. Erst eine halbe Stunde vor der Tat habe wieder einer der Rocker in der Pizzeria gestanden und Schutzgeld gefordert.

Rocker sollen Pizzeria in Düsseldorf attackiert haben
Foto: David Young

Hells Angels haben Hausverbot – so steht es im Fenster der Pizzeria.

Inzwischen hängt an der Pizzeria Munzur ein Schild. „Kein Schutzgeld. Keine Pizza. Hausverbot für Hells Angels.“ Auch das soll den Rockern nicht gefallen. Aksu: „Ich sollte das Schild wieder abnehmen.“ Das will der Chef der Pizzeria aber auf keinen Fall tun, denn er hat nicht zum ersten Mal Ärger mit den Rockern. Erst im November hatten die Hells Angels einen Imbiss in der benachbarten Mühlenstraße überfallen, der ebenfalls Aksu gehört. Auch da soll es um Schutzgeld gegangen sein: „Die wollen uns offenbar hier nicht haben.“

Die Gemengelage in der Düsseldorfer Altstadt ist kompliziert. Die Hells Angels sind an der längsten Theke bereits seit Jahrzehnten aktiv, unter anderem in der Türsteherszene. Es gab allerdings selten Probleme, denn die Rocker machten zwar Geschäfte in der Altstadt, begingen aber in der Regel keine Straftaten.

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Foto: sieckmeyer

Die Situation änderte sich vor einigen Jahren, als sich vor allem türkischstämmige Mitglieder der Hells Angels abspalteten und ihr eigenes Chapter unter dem Namen „Old Town“ gründeten. Seitdem rivalisiert die Gruppe mit dem Chapter „D-City, zu dem die älteren Hells Angels gehören. Das allerdings hatte sich angeblich im Dezember vergangenen Jahres aufgelöst, nachdem ein Großaufgebot der Polizei die Weihnachtsfeier der Rocker stürmte. Das jedenfalls hatte Rechtsanwalt Wolfgang Bonn, der seit Jahren viele Hells Angels vertritt, mitgeteilt. Eren Aksu ist allerdings sicher, dass die Täter aus dem Umfeld von „D-City“ stammen.

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