Vor 28 Jahren wurde die zehnjährige Ursula Herrmann getötet. Werner M. soll der Täter sein.

Die zehnjährige Ursula Herrmann starb vor 28 Jahren in einer Kiste, die im Wald vergraben wurde.
Die zehnjährige Ursula Herrmann starb vor 28 Jahren in einer Kiste, die im Wald vergraben wurde.

Die zehnjährige Ursula Herrmann starb vor 28 Jahren in einer Kiste, die im Wald vergraben wurde.

dpa

Die zehnjährige Ursula Herrmann starb vor 28 Jahren in einer Kiste, die im Wald vergraben wurde.

Augsburg. Sie hatte Licht, ein kleines Transistorradio - aber keine Luft zum Atmen. 28 Jahre ist es her, dass die damals zehnjährige Ursula Herrmann in ihrem unterirdischen Gefängnis in einem Waldstück zwischen Esching und Schondorf am oberbayrischen Ammersee qualvoll erstickte.

Ihr mutmaßlicher Entführer und Mörder muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Augsburg verantworten. Dem 58-jährigen Werner M. wird vorgeworfen, Ursula am 15. September 1981 vom Rad gezerrt zu haben, sie in den Wald verschleppt und in eine Kiste gesperrt zu haben. Diese soll er 1,60 Meter tief im Waldboden vergraben haben.

Der Erpresser meldete sich bei den Eltern, obwohl Ursula schon tot war

Ursula musste sich in der Kiste, die nur 1,36 Meter hoch, 60 Zentimeter breit und 72 Zentimeter lang war, auf ein schmales Brett hocken. Ihre Beine konnte die Zehnjährige nicht ausstrecken, sich kaum bewegen. Und dann ging ihr auch noch ganz langsam der Sauerstoff aus. Ob sie um Hilfe schrie, Angst hatte und weinte, als sie lebendig begraben wurde, kann niemand beantworten.

Ursula Herrmann war allein, als sie, wenige Stunden nachdem sie in die Kiste gesperrt wurde, starb. Drei Tage später lag das erste Erpresserschreiben im Briefkasten ihrer Eltern: Zwei Millionen Mark Lösegeld sollten sie zahlen. Weitere Briefe und Telefonanrufe folgten, obwohl das Mädchen längst tot war. Die Polizei fand das Mädchen erst 19 Tage später.

Ob es sich beim Täter tatsächlich um Werner M. handelt, muss nun geklärt werden. Beweise, ein Geständnis oder eine DNA-Spur hat die Staatsanwaltschaft nicht - nur Indizien. Dem 58-jährigen ehemaligen Nachbarn wird erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen.

Die Verteidiger von Werner M. und seiner Frau (Foto) beantragten die Aussetzung des Verfahrens, weil die Aktenlage zu unübersichtlich sei. Die Aktenlage umfasst 270 Bände mit 50 000 Blatt und sei völlig unübersichtlich.

Das Gericht wies den Antrag der Verteidiger ab. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rothermel hat bis zum Jahresende 53 Prozesstage angesetzt. Rund 200 Zeugen und Sachverständige sollen gehört werden.

Schon 1981 hatten ihn die Ermittler im Verdacht - die Spur führte jedoch ins Leere. M. hatte ein wasserdichtes Alibi, der Zeuge, der gegen ihn vor Gericht aussagte, war nicht glaubhaft. Trotzdem ließen die Ermittler nicht von der Spur ab und konnten bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2007 ein Tonbandgerät finden, das er bei seinen Erpresser-Anrufen verwendet haben könnte.

Im Mai 2008 wurde Werner M. in seinem jetzigen Wohnort Kappeln in Schleswig-Holstein verhaftet. Seine Ehefrau ist wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt. Sie soll die Erpresserbriefe hergestellt haben.

Selbstsicher, mit fester Stimme, beteuerte der Angeklagte am Donnerstag seine Unschuld. "Ich bedauere den Tod von Ursula Herrmann und das Schicksal der Familie", begann der 58-Jährige noch verhalten seine Erklärung, um dann mit fast drohendem Unterton hinzuzufügen: "Heute stehe ich aber hier und muss um mein Leben und das meiner Frau kämpfen."

Leicht nach vorne gebückt beginnt der etwas bullige Mann im jagdgrünen Pullover Punkt für Punkt die Vorwürfe abzuarbeiten. "Ich bin mir sicher, dass ich freigesprochen werde", sagt er nach einer Stunde. Schulden als vermutetes Motiv für die Entführung und Erpressung wischt er mit der Bemerkung weg, die hätten ihn gar nicht gestört. Andere Details passten eher zu einem ehemaligen Polizeibeamten aus Ursulas Umgebung, der damals auch ins Visier der Ermittler gelangt war und sich inzwischen "zu Tode gesoffen hat".

Man werde versuchen, ihn als einen "wahrlich schlechten Menschen" hinzustellen. "Ich gebe zu, das bin ich, was den Hund betrifft." Aus Wut, dass sein Hund den Küchenmüll auf dem Boden verstreut hatte, habe er das Tier lebend in die Tiefkühltruhe gesteckt und erst herausgeholt, als der Hund tot war. "Aber ich habe das Leben dieses Kindes nicht auf dem Gewissen."

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