Der Druck auf den Bischof nimmt zu. Selbst der Vorsitzende der Bischofskonferenz drängt zum Rückzug.

Augsburg. Die Forderungen nach einem Rücktritt oder zumindest einer Amtspause des Augsburger Bischofs Walter Mixa werden lauter. Von höchster Stelle der katholischen Kirche in Deutschland wird Mixa sanft dazu gedrängt, sein Amt für eine Weile ruhen zu lassen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, formuliert es so: Man habe zusammen mit Mixa überlegt, "ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne".

Mixas Demutsgesten waren wohl vergebens. An die Gläubigen appelliert er um Zusammenhalt, geschlagene Heimkinder bittet er um Verzeihung, die Priester in seinem Bistum sucht er zu besänftigen: "Es tut mir im Herzen weh, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung."

Im personellen Umfeld des Bischofs soll es Konsequenzen geben

Walter Mixa soll als Pfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) Heimkinder brutal geprügelt haben, räumt aber allenfalls Ohrfeigen ein. Er soll in dieser Zeit nennenswerte Geldbeträge aus dem Stiftungsvermögen für Waisenkinder zweckentfremdet haben, erklärt aber, es mit der "finanziellen Zuordnung" nicht so genau genommen zu haben.

Mit Spannung wird die Vollversammlung des Diözesanrates an diesem Wochenende erwartet. Der Unmut über den Bischof ist so groß, dass einige Ratsmitglieder erklärt haben, sie kämen nicht, wenn Mixa anwesend sei. Intern wird darauf gedrungen, dass es im personellen Umfeld von Mixa Konsequenzen gibt. Mixa hat nach Auffassung vieler mit seinem Verhalten das Bischofsamt beschädigt.

Peinlich ist der Fall eines von Walter Mixa gekauften Piranesi-Stich von einem kirchennahen Hochstapler in Rom für 21.000 Euro. Der Stich ist nicht nur überteuert - Schätzwert heute 2.000 Euro -, sondern auch gefälscht. Auf dem "Kunstwerk" steht die Jahreszahl 1707, da war Piranesi (1720-1778) noch nicht geboren. Undurchsichtig auch Mixas Ankauf eines spätgotischen Kreuzes mit zwei Renaissance-Engeln für 70.500 Mark. Schätzwert: 47.000 Mark. Dubios ist die Anschaffung eines Solariums für ein Kinderheim für rund 6.000 Mark.

Auch Mixas Bischofsring für 3.854,34 Mark ging auf Rechnung der Waisenhausstiftung. Es war ein Abschiedsgeschenk an den Bischof, offenbar ohne Beschluss des dafür zuständigen Gremiums. Und für wen war der Wein, der in Mixas Zeit mit über 5.380 Mark berechnet ist, alles aus Stiftungsmitteln? Dazu passen Rechnungen für drei Korkenzieher von zusammen über 500 Mark, wieder von der Stiftung bezahlt, der Mixa vorstand.

Der von der Stiftung eingesetzte Sonderermittler Sebastian Knott hat bei seinen Nachprüfungen zwei brisante Zahlungen aus Stiftungsmitteln entdeckt: einmal umgerechnet 7.500Euro 15.000 Mark für diverse Wertgegenstände, unterzeichnet von Walter Mixa, und eine Zahlung über 20.000 Euro für die Erneuerung einer Kapelle, unterschrieben höchstwahrscheinlich von Mixa. Für beide Zahlungen konnten bislang keine Belege oder Rechnungen gefunden werden. Unklar ist, wer hier kassierte.

Mixa kann alle Forderungen ignorieren. Er ist als Bischof autark und kirchenrechtlich nur dem Papst unterstellt. Zollitschs ungewöhnlicher Vorschlag dürfte aber kaum ohne Abstimmung mit dem Vatikan erfolgt sein. Mixa könnte ein zeitweises Ruhenlassen des Amtes als idealen Zwischenschritt bei einem endgültigen, leisen Verzicht auf den Bischofsstuhl einlegen.

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