Köln (dpa). In einem evangelischen Heim bei Köln soll es in den 60er und 70er Jahren zu schweren körperlichen Misshandlungen und zu Vergewaltigung gekommen sein. Vier frühere Bewohner des Knabenheims hätten berichtet, dass sie von älteren Schülern und Erziehern missbraucht wurden, bestätigte die Bergische Diakonie Aprath der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch einen entsprechenden Artikel des «Kölner Stadt-Anzeiger».

Diakonie-Sprecherin Sabine Kall betonte: «Wir nehmen die Vorwürfe absolut ernst. Wir haben mit den Opfern verabredet, dass wir die Aufklärung intern angehen wollen, aber auch eine neutrale Person - eventuell einen Historiker - beauftragen.»

Laut Zeitungsbericht haben sich fünf ehemalige Bewohner des 1977 abgebrannten Heims «An der Linde» gemeldet und schwerste Vorwürfe erhoben. Nachts seien ältere Schüler regelmäßig in die Gruppen- Schlafräume gekommen und hätten Jüngere zu Oral- oder Analverkehr gezwungen. Vergewaltigungen habe es auch am Rande des Schwimmunterrichts gegeben. Schläge seien üblich gewesen und hätten die Rangordnung unter den Schülern festgelegt, gaben die Opfer an. Die Kleineren seien «Freiwild gewesen.

Frühere Schüler schilderten, dass sie von drei Pädagogen und einem Erzieher-Pärchen immer wieder zum Sex gezwungen wurden. Die Heimleitung habe damals nicht auf Beschwerden reagiert.

Kall sagte, es habe am Wochenende ein erstes Treffen mit den Opfern gegeben, viele weitere sollten folgen. Die Bergische Diakonie Aprath als Trägerin des Heims werde zunächst akribisch die Akten studieren. In einem Internet-Forum für ehemalige Heimkinder hätten sich Anfang dieses Jahres auch Opfer der evangelischen Einrichtung gemeldet. Der Aufsichtsrat der Diakonie werde in einer Sitzung am 11. Mai das weitere Vorgehen im Interesse der Opfer beschließen.

Der Zeitung zufolge kann sich der frühere Heimleiter an die damaligen Missstände kaum noch erinnern. Lediglich in einem Fall sei ein Erzieher nach einem sexuellen Übergriff entlassen worden. Er selbst sei als Heimleiter jung und überfordert gewesen. In einem Polizeibericht von 1972 würden Ermittlungen gegen den Mann erwähnt.

Die Evangelische Kirche tauschte die Heimleitung 1974 aus. Ziel war dann angesichts der verheerenden und chaotischen Zustände nur noch die Schließung der Einrichtung. Ein Feuer 1977 - der Brandstifter ist bis heute unbekannt - besiegelte das Ende des Kinderheims. 

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