Allein in diesem Jahr sind 3200 Menschen im Kampf der Kartelle getötet worden. Die Politik scheint machtlos.

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Ein mexikanischer Marine-Soldat bewacht die Verbrennung von beschlagnahmtem Marihuana.

Ein mexikanischer Marine-Soldat bewacht die Verbrennung von beschlagnahmtem Marihuana.

dpa

Ein mexikanischer Marine-Soldat bewacht die Verbrennung von beschlagnahmtem Marihuana.

Mexiko-Stadt. 3326 Kilometer sind Mexikos Unglück. So lang ist die Grenze, die das Land mit seinem zerklüfteten Landesinneren und den weiten Küsten von seinem großen Nachbarn, den USA, trennt. Mexiko ist für die Kartelle das ideale Transitland für den größten Drogenmarkt der Welt, wo Heroin, Cannabis und Kokain gefragt sind. Seit Jahren tobt ein erbitterter Krieg. Und der Staat wird des Problems nicht Herr. 7700 Menschen sind in den vergangenen 18 Monaten getötet worden, etwa 3200 allein in diesem Jahr.

Betroffen sind vor allem die Grenzstaaten zu den USA, aber gemordet wird auch in den übrigen Bundesstaaten, vor allem da, wo Drogen produziert und konsumiert werden. Hier regieren die Kartelle mit ihren oft schlagkräftigen Truppen zum Teil ganze Regionen.

Wird einer der Drogenbosse verhaftet, gibt es gleich eine grausame Antwort. So am Sonntag, als das Drogenkartell "La Familia" als Reaktion auf die Verhaftung ihres Anführers Antonio Rueda im Bundesstaat Michoacán nur Minuten später acht Wachen der Bundespolizei angriff - mit großkalibrigen Waffen und Granaten.

Drei Beamte kamen ums Leben, 18 wurden verletzt. "La Familia" habe die Angriffe wahrscheinlich verübt, weil Ruedas Festnahme das Drogenkartell zu zersetzen drohe, sagte der örtliche Chef der Bundespolizei, Rodolfo Cruz. Das Kartell hatte im Oktober 2006 erstmals von sich Reden gemacht, als Unbekannte im Namen von "La Familia" fünf abgetrennte Köpfe auf die Tanzfläche einer Bar warfen.

Seit der Präsident den Kartellen den Kampf erklärt hat, eskaliert der Krieg

Die Todesschwadronen der Drogenhändler bekriegen sich untereinander, und sie haben dem Staat den Krieg erklärt. Seit 2006 führt die Regierung von Präsident Felipe Calderón mit 36 000 Polizisten und Soldaten eine Offensive gegen die Drogenkartelle im Land, die um die Kontrolle über die lukrativen Drogen-Schmuggelrouten in die USA kämpfen.

Washington hatte der Regierung Calderón umfangreiche Hilfen zugesichert, etwa ein riesiges Waffenarsenal sowie die polizeiliche Zusammenarbeit mit dem State Department.

Doch die 450 Millionen Dollar, mit denen die USA Mexiko im Antidrogenkampf unter die Arme greifen wollte, sind erst einmal blockiert. Der Senat in Washington verlangt unter anderem Kontrolle darüber, ob die mexikanische Armee in dem Krieg die Menschenrechte einhält.

Regelmäßig werden Rauschgift-Verstecke aufgespürt, wird die Ware anschließend verbrannt. Rund eine Milliarde Dollar, 55 Tonnen Kokain, 2805 Tonnen Marihuana und große Mengen an Crack, Opiummasse, Heroin sowie Waffen, über 7000 Fahrzeuge und sogar Flugzeuge seien beschlagnahmt worden, wurde jüngst mitgeteilt.

Außerdem wurden über 30 000 Hektar Marihuana- und fast 20 000 Hektar Mohnfelder vernichtet. Auch Verhaftungen häufen sich. Die Rache folgt meist auf auf dem Fuße. Immer immer mehr Menschen, darunter viele Zivilisten, lassen im Drogenkrieg ihr Leben. Manche werden gar gefoltert.

Bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen wurde Präsident Calderón für seine Politik der harten Hand abgestraft. Viele Mexikaner, so heißt es, befürworten eine Politik des ausgehandelten Stillhaltens, weil sie den Kampf für aussichtslos halten. Viele der Reichen und Mächtigen schicken ihre Kinder inzwischen aus Sicherheitsgründen zur Schule ins Ausland.

Für Verdrossenheit sorgt zudem, dass auch zahlreiche Staatsbeamte in die Machenschaften der Kartelle verwickelt sind. Ein Gouverneur wurde festgenommen, auch Bürgermeister, Richter und weitere hohe Beamte - und eine Reihe von Polizisten. Ein Polizist sagte: "Hier musst du dich vor deinen eigenen Kollegen in Acht nehmen."

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