Leonard Cohen
Unantastbar: Der kanadische Sänger und Autor Leonard Cohen. Foto: Yoan Valat

Unantastbar: Der kanadische Sänger und Autor Leonard Cohen. Foto: Yoan Valat

dpa

Unantastbar: Der kanadische Sänger und Autor Leonard Cohen. Foto: Yoan Valat

Frankfurt/Main (dpa) - Das Schicksal hat es ihm nicht gegönnt: Anstatt seinen Lebensabend in einem buddhistischen Kloster verbringen zu können, musste Leonard Cohen 2010 noch einmal auf Tour gehen. Seine ehemalige Managerin hatte den Sänger und Songschreiber um seine Rente geprellt.

Ob auch das neue Studioalbum des 77-Jährigen - das erste seit acht Jahren - aus Geldnot entstanden ist, sei dahingestellt. Fest steht, dass der große Melancholiker der Welt noch einiges mitzuteilen hat. Auch wenn «Old Ideas», wie der Titel schon vermuten lässt, das Rad sicherlich nicht neu erfindet.

Wie schon beim Vorgänger-Album ist der Sound wärmer als der von «Ten New Songs», das Cohen 2001 nach seinem Kloster-Aufenthalt veröffentlichte. Seine sonore Stimme klingt, als sei sie von dem langen und ereignisreichen Leben brüchig geworden. Weibliche Background-Chöre bilden dazu einen zum Teil arg süßlichen Kontrast.

Cohens Lieder waren schon immer eher vertonte Gedichte als leicht verdauliche Popsongs. Passenderweise kommt auf der neuen Platte eine Laute zum Einsatz. Wenn Cohen singt «I got no future/I know my days are few», ist das keine Punk-Attitüde, sondern elegante Schicksalsergebenheit. Schon Johnny Cashs Spätwerk hat gezeigt: Es bewegt bisweilen einfach mehr, wenn ein über 70-Jähriger von Liebe, Trauer und Tod erzählt, als wenn es ein larmoyanter Rocker um die 20 tut.

Aber auch Humor und Selbstironie scheinen in Cohens rätselhaften Texten immer wieder durch. «I love to speak with Leonard/He's a sportsman and a shepherd/ He's a lazy bastard/living in a suit», heißt es im Song-Highlight «Going Home». (Etwa: «Ich spreche gern mit Leonard. Er ist ein Sportler und ein Hirte. Er ist ein Faulpelz, der in einem Anzug wohnt.»)

«Jammere niemals einfach nur so. Doch sollte jemand jene große, unausweichliche Niederlage, die uns alle irgendwann erwartet, zum Ausdruck bringen müssen, so sollte dies stets innerhalb der strikten Regeln der Würde und Schönheit geschehen», wird der Kanadier in der Pressemitteilung zum neuen Album zitiert. In diesem Sinne ist Cohen mit «Old Ideas» vielleicht nicht das beste Album seiner Karriere gelungen - doch würdevoller kann ein Musiker kaum altern.

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