Fische und andere Meerestiere landen bei vielen nicht nur aufgrund ihres hohen Omega-3-Fettsäuregehalts auf dem Teller – in einigen Ländern sind sie zu bestimmten traditionellen Gerichten einfach unverzichtbar.

Auch bei den Deutschen steht Fisch immer häufiger auf dem Speiseplan. So lag der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen im Jahr 2015 bei rund 14 Kilogramm. Grundsätzlich gelten ein bis zwei Fischgerichte pro Woche auch als äußerst empfehlenswert und gesund. Doch warum wird in Kantinen oder bei den Großeltern vor allem freitags Fisch zubereitet? Wie dieser Beitrag verrät, nicht nur aufgrund gesunder Ernährung, sondern auch aus christlicher Tradition. Aber auch die Schweden und die Franzosen verzehren zu traditionellen Festen gern Fischgerichte und andere Meerestiere. Hier ein Überblick.

Schweden – Kräftskiva Die meisten denken bei schwedischen Traditionen vor allem an das Mittsommerfest im Juni oder die beliebten Fleischbällchen Köttbullary. Dabei haben die Skandinavier eine ausgeprägte Fischtradition. Sie lassen nicht nur Fisch verkommen und nennen das Ergebnis dann Delikatesse (dieser spezielle Dosenfisch heißt Surströmming), sondern sie widmen sogar ein ganzes Fest einem bestimmten Meerestier: nämlich dem Krebs. Kräftskiva – das Krebsfest – feiern die Schweden den ganzen August über. Mit dem Sommer geht dann auch die Krebssaison zu Ende.

Im Juli häuten sich die Krebse und verstecken sich, bis ihre neue Schale wieder hart ist. Sie kommen dann im August aus ihren Verstecken hervor, sind hungrig und leicht zu fangen, weshalb es am Ende des Sommers Krebse en masse zu kaufen gibt. Das Krebsfest ist eine langjährige schwedische Tradition und wird am liebsten im Familienkreis und mit Freunden gefeiert. Die Schweden sitzen dann draußen an langen Tischen, alles ist mit hübschen Lampions geschmückt und natürlich werden Krebse serviert. Bereits seit 1761 würzt man die Krebse in Schweden traditionell mit Dill – das macht man so bis heute beim Kräftskiva. Doch beim Krebsfest genießt man nicht nur in geselliger Runde die mit Dill in Salzwasser gekochten Krebse, sondern singt auch gemeinsam traditionelle, schwedische Schnapslieder und trinkt eben jenen Alkohol in großen Mengen. Zu den Krebsgerichten wird meist noch Baguette, Knäckebrot, Kümmelkäse und ein kleines Buffet an traditionellen schwedischen Gerichten gereicht. Die Feiernden tragen dazu lustige Hüte und Lätzchen – natürlich bedruckt mit Krebsen.

Frankreich (Lille) – La Braderie Lille ist eine Großstadt im Norden Frankreichs. Sie wird auch die Hauptstadt von Flandern genannt und grenzt an Belgien. Schon seit dem 12. Jahrhundert findet dort am ersten Wochenende im September die sogenannte Braderie von Lille statt. Dabei handelt es sich um den größten Trödelmarkt Europas. Über den Ursprung des Namens ist man sich nicht einig. So heißt es, er stamme vom flämischen Wort "braaden", was so viel bedeutet wie "braten". Das sei so zu erklären, dass damals während der Braderie unter anderem Fleisch und Heringe angeboten wurden. Es heißt aber auch, Braderie leite sich vom spanischen Wort "barato" ab, was "billig" bedeutet.

Doch was hat die Braderie mit Meeresfrüchten zu tun? Im Norden Frankreich isst man grundsätzlich gern Moules et Frites – vor allem aber am Wochenende der Braderie. Denn das ist die kulinarische Spezialität dieses Festes. Die Köche garen am ersten Septemberwochenende Miesmuscheln mit Pommes frites in einem Sud aus Kräutern, Gewürzen und Weißwein und bieten dieses Gericht den Gästen an. Daraus ist eine Art Wettbewerb entstanden: Die teilnehmenden Restaurants sammeln die Schalen der verspeisten Muscheln und türmen sie zu einem Haufen auf. Wer am Ende der Braderie den größten Muschelberg gesammelt hat, hat gewonnen.

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