Felix Baumgartner hat für seinen Sprung aus 39 Kilometern Höhe alles riskiert. Technik aus Wuppertal half dem Extremsportler.

WELTREKORD
Von einem kleinen Trittbrett aus springt er ab.

Von einem kleinen Trittbrett aus springt er ab.

Senkrecht und leicht nach vorne gebeugt fällt er nach unten.

Felix Baumgartner verlässt in 39 Kilometern Höhe seine Kapsel.

Felix, der Große: Zumindest auf dem Kontrollbildschirm erscheint der Extremsportler vor dem Absprung überlebensgroß. Fotos (4): Reuters

HANDOUT, Bild 1 von 4

Von einem kleinen Trittbrett aus springt er ab.

Roswell/Wuppertal. Die Mondlandung unserer Generation. So wurde der Überschall-Sprung von Extremsportler Felix Baumgartner im Internet und im Fernsehen beschrieben. Ein gesponsertes Live-Spektakel für die Generation Facebook und Twitter, durchkomponiert von Marketingstrategen, inszeniert nach den Regeln der Hollywood-Ästhetik.

Und doch stockte Millionen Menschen der Atem, als sie mit dem Sportler aus der Stratosphäre auf die Erde blickten. Nach dem geglückten Überschall-Flug siegte selbst bei Kritikern die Faszination für das Überwinden menschlicher Grenzen.

Drehen um die eigene Achse und Trudeln in eine Richtung als Gefahr

Zurecht, wie der Mediziner Martin Trammer vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln meint: „Dieser Sprung war eindeutig lebensgefährlich.“ Solch eine Aktion könne zwar gut ausgehen, aber die Risiken seien unberechenbar. „Wenn sich der Körper direkt nach dem Absprung um die eigene Achse dreht und in nur eine Richtung trudelt, kann man sich nicht mehr ausrichten.“

In der Folge schieße das gesamte Blut in Kopf und Füße. Baumgartner wäre ohnmächtig geworden, seine Gefäße wären geplatzt und zerrissen. Dabei hätte er irreparable Schäden erlitten oder wäre sogar gestorben. Verhindern lässt sich das Trudeln laut Trammer am ehesten, wenn der Absprung senkrecht und langsam nach vorne gekippt erfolgt. „Das hat bei Herrn Baumgartner nahezu optimal funktioniert“, sagt der Mediziner.

Einen weiteren Gefahrenfaktor stellte der mögliche Ausfall der technischen Einrichtungen dar. Da sehr professionell gearbeitet wurde, gab es aus Sicherheitsgründen mehrere Systeme, die sich gegenseitig ersetzen konnten. Trammer: „Wie leicht trotzdem etwas passieren kann, zeigt sich an der Visierheizung, die ausgefallen ist.“

Hauchdünner Heliumballon dehnt sich immer weiter aus und zerplatzt

Ohne die ausgefeilte technische Ausrüstung – die Funkausrüstung stammte von der Wuppertaler Firma Riedel Communications – hätte Baumgartner den Sprung allerdings überhaupt nicht realisieren können. Ein Druckanzug schützte ihn in der minus 70 Grad Celsius kalten Umgebung sowie vor dem enormen Druck während des Falls.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts war eine an einem Heliumballon befestigte Kapsel, in der Baumgartner sich auf eine Höhe von 39 Kilometern hochziehen ließ. Nachdem er die Kapsel verlassen hatte, wurde sie per Funk von dem hauchdünnen Ballon gelöst. Dieser stieg weiter in die Höhe und dehnte sich aus, bis er die Größe eines Fußballstadions einnahm und schließlich platzte. Die Kapsel sank wie auch Baumgartner an einem Fallschirm zu Boden.

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