42 Tote nach schwerenRegengüssenauf Madeira. Nach der Zerstörung herrscht Chaos auf der Insel.

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Verzweifelt versucht ein Mann, die Tankstelle vor der völligen Zerstörung durch die Fluten zu schützen.

Verzweifelt versucht ein Mann, die Tankstelle vor der völligen Zerstörung durch die Fluten zu schützen.

Gesteinsbrocken machen hunderte Straßen unpassierbar. Autos sind von Geröllmassen eingeschlossen.

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Verzweifelt versucht ein Mann, die Tankstelle vor der völligen Zerstörung durch die Fluten zu schützen.

Funchal. Sturzbäche in den Straßen, niedergerissene Brücken, Schlamm geflutete Häuser, entwurzelte Bäume: Die portugiesische Ferieninsel Madeira bietet ein Bild der Verwüstung. Nach stundenlangem Regen, angepeitscht von heftigen Sturmböen, gab es für die Fluten kein Halten mehr: Die Wassermassen überschwemmten Teile der Inselhauptstadt Funchal und sorgten weit über die Hauptstadtregion hinaus für Erdrutsche. Dutzende Menschen kamen dabei auf der "Perle des Atlantiks" ums Leben: Nach Angaben der Regionalregierung gab es mindestens 42 Tote, darunter keine Touristen. 70 Bewohner der Atlantikinsel, die etwa 1000 Kilometer südwestlich Portugals liegt, wurden am Sonntag noch vermisst.

"Das war schrecklich und äußerst beängstigend", erzählt Neusa Abreu in der Inselhauptstadt Funchal. "Die Straßen hatten sich regelrecht in Flüsse verwandelt. Wir sahen sogar eine Leiche vorbeitreiben." Miguel Albuquerque, Bürgermeister der Stadt Funchal, sagte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir weitere Leichen finden." Im niedriger gelegenen Teil von Funchal, direkt am Ufer des Atlantiks, wurden wegen Einsturzgefahr mehrere Häuser evakuiert.

In manchen Häusern steht der Schlamm bis in den ersten Stock

"Unser Hotel wurde geräumt, es liegt am Fluss und uns wurde gesagt, es bestehe die Gefahr, dass der Boden nachgibt", erzählt der Franzose Aymeric Payan (27), der im Zentrum der Stadt als Bäcker arbeitet. Straßen wurden einfach weggespült. "Hier war einmal ein Kreisverkehr", so Payan. In manchen Häusern steht der feuchte Schlamm bis in den ersten Stock. Die Feuerwehr errichtet Absperrungen in den Straßen und versucht, das Wasser so ins Meer abzuleiten. "Überall Wasser, Schlamm und Schotter. Es ist wie in einem Horrorfilm", sagt ein Augenzeuge. "Die Straßen sind von Steinen blockiert, Brücken eingestürzt, Häuser zerstört."

Der auf Madeira geborene Fußballer Cristiano Ronaldo will helfen

Der portugiesische Fußballstar Cristiano Ronaldo äußerte sich "ungläubig, schockiert und bestürzt" über das schwere Unwetter auf seiner Heimatinsel. "Dies ist eine nie da gewesene Tragödie", schrieb der Nationalspieler am Sonntag auf seiner Website. Niemand könne angesichts einer solchen Katastrophe gleichmütig sein, am wenigsten er, der er auf Madeira geboren und aufgewachsen sei. Ronaldo erklärte, "im Rahmen seiner Möglichkeiten" bei der Bewältigung der Folgen des Unglücks zu helfen.

In der Nacht zu Samstag hatte sich der Dauerregen auf der Atlantikinsel zu sintflutartigen Wolkenbrüchen entwickelt. Bewohner erzählten von Niederschlägen mit tropischer Gewalt. Hinzu kamen Sturmböen mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern. "Das Meer ist ganz braun, und es schlagen riesige Wellen hoch", sagte Margarida Freitas Vieira. Als sich das Wetter am Sonntag beruhigte, rückten Baufirmen an. Sie übernahmen grobe Arbeiten. Es herrschen chaotische Zustände auf der Insel, die wegen ihres milden Klimas und der malerischen Landschaft beliebt ist.

Wichtigster Wirtschaftszweig der Insel mit 35.000 Hotelbetten ist der Tourismus. Jährlich kommen eine Million Besucher, etwa 450.000 davon aus Deutschland.

Portugals Ministerpräsident José Sócrates reiste gestern auf die 900 Kilometer von Lissabon entfernte Insel. Er versprach umgehende Hilfe für die Insel-Bewohner.

Madeira besteht aus Vulkangestein, wie auch die südlicher im Atlantik liegenden, zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln.

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