Die Polizei hat einen Briten im Visier, der in einer Klinik liegt.

London/Lissabon. Eine neue Spur im Fall der vermissten kleinen Madeleine McCann führt nach Aachen. Dort lokalisierten die britischen Fahnder in einer Klinik den mehrfach vorbestraften Sexualtäter Raymond H., der nun von den Fahndern befragt werden soll. Auch die deutschen Behörden prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden muss.

Der Verdächtige prahlte mit seinen exakten Ortskenntnissen

Raymond H. wurde in den 70er und 80er Jahren in insgesamt drei Fällen wegen sexuellen Missbrauchs junger Mädchen verurteilt; in mindestens zwei weiteren Fällen steht er unter Verdacht. Wegen einer schweren Krebserkrankung reiste er schließlich nach Deutschland, in eine Aachener Klinik, wo er immer noch behandelt wird.

Der Mann hielt sich vor zwei Jahren, als Madeleine an der portugiesischen Algarveküste spurlos verschwand, mit seinem Wohnmobil ebenfalls in dieser Ferienregion auf. Ein früherer Soldat berichtete in britischen Medien, er habe den Verdächtigen kurz nach dem Verschwinden Madeleines auf einem Campingplatz in Marokko getroffen. Raymond H. habe ihm gesagt, er kenne den Ort des Verschwindens, das portugiesische Dorf Praia da Luz, "sehr gut". Genauso wie jenes Ferienhotel, in dem das damals knapp vierjährige Mädchen aus Großbritannien am 3. Mai 2007 zum letzten Mal gesehen wurde. "Er wusste viele Einzelheiten" und habe wirr erzählt. Auch habe er angedeutet, "Maddie " sei vielleicht verkauft worden.

Der 64-jährige aktenkundige Pädophile war ins Visier geraten, nachdem britische Privatdetektive in monatelanger Kleinarbeit jene Ermittlungsakten durchforstet hatten, die ihnen Portugals Kripo überlassen hatte. Die portugiesische Polizei hatte Raymond H., der mit einer 33-jährigen Deutschen zusammenleben soll, damals offenbar überprüft, aber nichts Verdächtiges gefunden. Auch soll er beim Verhör in Portugal ausgesagt haben, nicht am Tatort gewesen zu sein.

Allerdings mussten sich Portugals Ermittler später vorwerfen lassen, bei der Spurensicherung und Untersuchung des die Welt bewegenden Vermisstenfalles geschlampt zu haben. Die britische und die deutsche Polizei interessieren sich nun nicht nur wegen des Falles Madeleine für den Mann, dessen Gesicht einem der Phantom-Fahndungsbilder erstaunlich ähnelt. Auch wegen früherer Sexualdelikte in Großbritannien, die bisher noch nicht aufgeklärt wurden, soll er befragt werden.

Zudem gibt es nach britischen Zeitungsberichten Ermittlungen gegen ihn, weil auf der Reise nach Deutschland eines seiner sechs Kinder in Spanien aus seinem Wohnmobil gefallen und gestorben sei.

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