Die Lufthansa-Flugschule wusste früh, dass der Copilot der abgestürzten Unglücksmaschine eine „depressive Episode“ hatte. Sie sei aber als abgeklungen bezeichnet worden. Der Lufthansa-Chef trifft Angehörige in Frankreich, in Haltern trauen die Menschen.

Krisenmanager: Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. Foto: Federico Gambarini
Krisenmanager: Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. Foto: Federico Gambarini

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dpa

Krisenmanager: Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. Foto: Federico Gambarini

Frankfurt/Haltern (dpa) - Der Copilot hat der abgestürzten Germanwings-Maschine hat Lufthansa schon während seiner Ausbildung über eine Depression informiert. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 die Verkehrsfliegerschule in Bremen unterrichtet, teilte die Lufthansa am Dienstag mit. „Die Unterlagen wurden erneut durchgesehen inklusive der E-Mails“, erläuterte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main am Mittwoch. Diese „neue Erkenntnis“ sei vom Unternehmen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Die Chefs von Lufthansa und Germanwings reisten am Mittwoch erneut in die Nähe der Absturzstelle nach Seyne-les-Alpes. In den französischen Alpen war der Airbus am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand zerschellt. 150 Menschen starben.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat den Opfern des Germanwings-Absturzes zugesagt, dass beide Unternehmen solange wie nötig Hilfe leisten werden. „Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird“, kündigte er bei einem Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Mittwoch in Le Vernet nahe der Absturzstelle in den französischen Alpen an. Zu den am Vorabend bekanntwordenenen neuen Details über die Erkrankung des Copiloten äußerte sich Spohr nicht. Der Konzernchef dankte allen Einsatzkräften, Helfern und den Menschen im Absturzgebiet erneut für ihre Unterstützung. Er zeigte sich „tief beeindruckt von der Professionalität, der Energie, dem Mitgefühl und der Sympathie“.

Gut eine Woche nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich wollen die Menschen der Stadt westfälischen Stadt Haltern zu einem öffentlichen Gottesdienst zusammenkommen. Die Pfarrer der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel haben für 17 Uhr in die St.-Sixtus-Kirche eingeladen. Es werden viele Teilnehmer erwartet, deshalb wird der Gottesdienst über Lautsprecher auch nach draußen übertragen. Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und 2 Lehrerinnen eines Halterner Gymnasiums.

An der Absturzstelle in den französischen Alpen soll am Mittwoch damit begonnen werden, persönliche Gegenstände der Toten zu sichern. Die Bergung der Opfer wurde nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen. Bis spätestens Ende der Woche sollen alle Opfer identifiziert sein. Außerdem geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

Der 27 Jahre alte Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet. Für den Unglückstag war er krankgeschrieben.

Bereits bekannt war, dass der Copilot des Germanwings-Flugs 4U9525 in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Fliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, hieß in der Mitteilung der Unternehmens am Dienstagabend. „Im Anschluss wurde dem Co-Piloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt“, teilte Lufthansa weiter mit.

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