An der A3 zeigt ein Simulator Lkw-Fahrern, wie sich Auffahrunfälle und Überschläge anfühlen.

Lkw-Fahrer sitzen hier kopfüber – und erfahren so, was bei einem schweren Unfall passiert.
Lkw-Fahrer sitzen hier kopfüber – und erfahren so, was bei einem schweren Unfall passiert.

Lkw-Fahrer sitzen hier kopfüber – und erfahren so, was bei einem schweren Unfall passiert.

Pierre-Claude Hohn

Lkw-Fahrer sitzen hier kopfüber – und erfahren so, was bei einem schweren Unfall passiert.

Ratingen. Es dauert nur Sekundenbruchteile bis zum Aufprall: Ko Ebbers Arme fliegen nach vorne, der Kopf nickt tief ein, aber der Oberkörper wird vom Gurt sicher gehalten.

"Das waren bestimmt 30 Stundenkilometer", behauptet der niederländische Brummi-Fahrer, den die Wucht des Knalls tief beeindruckt hatte.

Er war gerade mit einem Gurtschlitten auf einen fiktiven Lkw aufgefahren - auf dem Parkplatz der Raststätte Hösel an der A3. Dort hatten Verkehrssicherheitsrat, Polizei und Berufsgenossenschaft ihre Gerätschaften und Infostände aufgebaut, um Lastwagenfahrer hautnah erleben zu lassen, wie sich ein leichter Auffahrunfall oder Überschlag mit dem Brummi anfühlt. Und welche Folgen ein nicht angelegter Sicherheitsgurt hat.

Gerät errechnet, mit welcher Energie der Fahrer in den Gurt gedrückt wird

"Das waren jetzt nur knapp zehnkm/h", erklärt Andreas Bratschke dem verdutzten Ebbers. Dann errechnet das Gerät anhand des Körpergewichtes, dass der Niederländer beim Aufprall mit 499 Kilogramm Eigengewicht an den Gurten gezerrt hatte. Bratschke: "Wer sich da abstützen will, bricht sich alle Knochen." Und bei Tempo 30 hätte der Lastwagenfahrer die Masse eines Elefanten gehabt - 5000 Kilo.

Der nächste Testkandidat ist gerade erwischt worden, als er ohne Gurt und mit kaum fünf Metern Abstand zum Vordermann auf der Piste war. Statt des fälligen 30-Euro-Knöllchen gibt’s jetzt Nachhilfe auf dem Gurtschlitten und im Überschlagssimulator.

Im vergangenen Jahr wurden im Regierungsbezirk Düsseldorf insgesamt 13.000 Gurtmuffel erwischt. Lkw-Fahrer sind deutlich seltener angeschnallt als Autofahrer. Die Polizei schätzt, dass es mehr als 20 Prozent weniger Verkehrstote gäbe, wenn alle Fahrer angeschnallt wären.

Ein Aufprall mit Tempo 40 auf ein Hindernis ist vergleichbar mit einem Sprung vom Fünf-Meter-Brett in ein Becken ohne Wasser.

In der originalen Fahrerkabine liegen Stofftiere und Schaumstoffwürfel herum. Beim simulierten Überschlag wirbeln die Gerätschaften wie Geschosse durchs Führerhaus, der angeschnallte Fahrer sitzt aber sicher im Sitz - kopfüber. Der polnische Trucker ist nachdenklich. Er hat seine Lektion in Sachen Sicherheitsgurt gelernt: "Jetzt nur mit Gurt und viel Abstand."

Größe und Gewicht vermitteln eine trügerische Sicherheit

"Belehrung und Repression passen nicht zusammen", erklärt Martin Vonstein, Leiter der Verkehrsdirektion, den Verzicht aufs Knöllchen. Der Lerneffekt halte länger an. Rund 150 Brummi-Fahrer haben an den drei Tagen die gleichen, wichtigen Erfahrungen gemacht: Dass nämlich die Größe und das Gewicht ihrer Lastzüge nur eine trügerische Sicherheit vermitteln.

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