Eine englische Gemeinde will Beziehungen zwischen Kollegen in den Personalakten vermerken.

London. In England bekommt der Amtsschimmel bereits Frühlingsgefühle: Eine Stadtverwaltung der Grafschaft Cambridgeshire plant, Romanzen zwischen Kollegen genehmigungspflichtig zu machen.

Ob es daran liegt, dass die letzte Weihnachtsfeier der Bezirksverwaltung von Fenland besonders fröhlich ausgefallen ist? Personalchefin Sam Anthony hat jedenfalls mit dem neuen Jahr ein rigoroses Vorgehen bei zu viel Nähe in Amtsstuben angekündigt: Romanzen zwischen Mitarbeitern sollen nun schriftlich beim Chef angemeldet werden.

Das Liebes-Regularium schlägt in England hohe Wellen

In einer ersten Vorlage mit dem nüchternen Titel: „Zum Umgang miteinander: Beziehungen am Arbeitsplatz“ schlägt sie außerdem vor, die Zuneigung der Turteltauben in ihren Personalakten festzuhalten.

Für jene, die noch nicht ganz mit den Regeln der modernen Arbeitswelt aufgeholt haben, hält Anthony eine strenge Erinnerung parat: „Intimes Verhalten während der Dienstzeit, ob im oder außerhalb des Büros, kann als disziplinarisches Vergehen geahndet werden.“

Die amtliche Attacke auf Amors Besuche im Büro schlägt in Großbritannien hohe Wellen; der Blick empörter Boulevardzeitungen geht in diesen Tagen sogar bis nach Köln, wo das Landesarbeitsgericht einer Sicherheitsfirma jüngst erlaubt hat, Unterwäsche, Fingernagel- und Bartlänge von Mitarbeitern zu regeln.

„Das liest sich doch alles wie eine Szene aus George Orwells Überwachungsroman ‚1984’, nicht wie ein Firmenkodex“, kommentiert ein Leser die Ideen der Stadtverwaltung Fenland. Andere kontern in verschiedenen Internetforen bereits mit selbstentworfenen Antragsformularen zur „Genehmigung einer dienstlichen Affäre“. Per Kreuzchen kann der liebestolle Mitarbeiter dann spezifizieren, was er sich konkret von der Büro-Liaison erhofft.

Frauen hoffen, vor Belästigung geschützt zu werden

Während vor allem Gewerkschaften Sturm laufen gegen den Eingriff in die Privatsphäre von Mitarbeitern, gibt es auch Jubel aus anderen Lagern. Freilich vor allem von Chefs, die nach Amors Verschwinden Streit im Team satt haben. Einige Frauen finden, dass die geplante Regelung sie vor „unwillkommener männlicher Aufmerksamkeit“ am Arbeitsplatz schützen könnte.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer