Ein Koch bietet über britische Kaufhäuser Insekten-Snacks an.

Ein besonders Bonbon: Mit Skorpion, aber ohne Zucker.
Ein besonders Bonbon: Mit Skorpion, aber ohne Zucker.

Ein besonders Bonbon: Mit Skorpion, aber ohne Zucker.

Edible

Ein besonders Bonbon: Mit Skorpion, aber ohne Zucker.

London. Man muss nicht ins Dschungelcamp, um Krabbeltiere zu kosten. Gebackene Taranteln, Schoko-Ameisen und Skorpion-Bonbons kann man auch in Londoner Nobelkaufhäusern erstehen und daheim verkosten.

Der Vorteil: Man kann sich die Gesellschaft bei Tisch aussuchen. Über alles andere gibt Todd Dalton (32) Auskunft. Er ist Chef der Firma Edible, die Leckerbissen für Hartgesottene vertreibt.

Herr Dalton, im Kaufhaus "Selfridges" stehen Ihre Skorpion-Lutscher und Schokoladenameisen direkt neben den Mozartkugeln. Das ist ein ziemlicher überraschender Anblick.

Dalton: Vielleicht für einen zimperlichen Westeuropäer. Einige Indianerstämme Kolumbiens würden jedenfalls nicht zögern: Für sie sind die Riesenameisen eine seltene Süßigkeit. Geröstet werden sie mit vielen Salzen in Tontöpfen über dem offenen Feuer. Sie sollen übrigens das Immunsystem stärken. Für den hiesigen Gaumen überziehen wir die Tiere mit feinster belgischer Schokolade.

Es gibt bestimmt Menschen, die "igitt" sagen und doch neugierig sind auf die Geschmacksrichtung. Aber sind die Krabbeltiere wirklich ein Kassenschlager?

Dalton: Von den Schokoameisen verkaufen wir rund 1.500 Pakete in zwei Wochen - sie sind das beliebteste Produkt der Palette und schmecken ein bisschen wie Erdnüsse. Auch von den anderen Sachen schicken wir jedes Jahr Hunderttausende Päckchen in die ganze Welt!

Nach der jüngsten Dschungelcamp-Staffel in England sind die Verkaufszahlen sogar um 30 Prozent gestiegen. Was halten Sie von Serien, in denen ungewöhnliche Mahlzeiten serviert werden?

Dalton: Ich finde sie lächerlich und dumm. Wir versuchen mit unseren Produkten, den Horizont von Leuten zu erweitern und ihnen Speisen nahe zu bringen, die eingeborene Völker seit Ewigkeiten kultivieren. Kein Dschungelvolk würde Känguru-Hoden, rohe Insekten oder Kakerlaken essen. Das zu zeigen, ist einfach irreführend und respektlos.

Welche Esskultur steckt denn zum Beispiel hinter den gebackenen Taranteln?

Dalton: Die kommen aus Kambodscha und waren heiß begehrt zu Zeiten der Roten Khmer und der Hungersnöte. Sie haben den Leuten dort buchstäblich das Leben gerettet.

Wie kommen Sie eigentlich auf solche Gerichte?

Dalton: Ich bin ständig in solchen Ländern unterwegs, weil ich für ein Zentrum zum Schutz seltener Arten arbeite. Außerdem bin ich ausgebildeter Koch. Wir kaufen die Lebewesen vor Ort und stellen sicher, dass sie aus ökologischen Zuchtverhältnissen stammen. So können wir gleichzeitig die Eingeborenen wirtschaftlich unterstützen. Gekocht und zubereitet werden die Insekten dann in unseren Labors in London.

Was war denn Ihr persönliches Krabbeltier-Debüt?

Dalton: Das war in Australien. Da sind mir Holzwurm-Larven serviert worden. Ganz lecker! Ich habe aber natürlich jedes einzelne unserer Produkte gekostet.

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