Für das deutsche Fernsehen ist Sarah Krumbach in Moskau: Sie berichtet, wie die Einwohner mit Hitze und Gift-Smog fertig werden.

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Dank Regen ist die Luft in Moskau besser geworden, aber noch immer schützen sich Menschen mit Masken.

Dank Regen ist die Luft in Moskau besser geworden, aber noch immer schützen sich Menschen mit Masken.

dpa

Dank Regen ist die Luft in Moskau besser geworden, aber noch immer schützen sich Menschen mit Masken.

Moskau. Düster waren die Bilder aus Russland in den vergangenen Tagen: Menschen kämpften sich durch Rauch - verhüllt mit Tüchern. Dazwischen lodernde Flammen, verkohlte Tiere und Häuser. Am Mittwoch hat endlich der Regen eingesetzt, der Nebel über Moskau lichtet sich. Die Landschaft - eine verbrannte Öde. Diese Bilder, Film-Sequenzen, fügt Sarah Krumbach zusammen. Die Wuppertalerin ist Cutterin beim Fernsehen, zuständig für den Schnitt der Russland-Nachrichten.

Endlich Regen! Die Stimmung in Moskau ist immer noch gespenstisch

Seit einem halben Jahr lebt die 35-Jährige in Moskau. "Die Stimmung ist immer noch gespenstisch. Menschen laufen mit Masken und Sonnenbrillen herum. Wie in einem Science-Fiction-Film", sagt sie. Der Brandgeruch beiße in der Nase, der Rauch brenne in den Augen. Die Atemmasken schützten vor den Rußpartikeln in der Luft. "Sie sind wie kleine Splitter. Gestern habe ich mich gekratzt, und hatte gleich eine Schürfwunde." Das größte Problem aber sei das Kohlenmonoxid. Zwei Stunden im Smog, kämen dem Konsum von 60 Zigaretten gleich, und das bei Temperaturen von 40 Grad.

Vor drei Tagen ist die junge Frau aus ihrer Moskauer Dachgeschosswohnung in ein klimatisiertes Hotel gezogen. "Fenster müssen geschlossen bleiben. Die Hitze war nicht auszuhalten." In Moskau bleibt man dennoch gefasst. "Die Russen sind hart im Nehmen. Die meisten gehen ihrer Arbeit nach - sie müssen", erklärt Krumbach.

"Am schwersten betroffen sind Kinder und alte Menschen. Ich bin jung, kann einiges ertragen", sagt die Wuppertalerin. Ein Arzt, der Korrespondenten, Cutter und Kameraleute untersuchte, stellte keine organischen Schäden fest. "Ohren, Augen, Lunge, bei mir ist alles in Ordnung.", erklärt sie. Doch bleibt das Team vorsichtig. Gefilmt wird nur das Nötigste - "zum eigenen Schutz".

Derzeit beschäftigt die Journalisten die Brände in der Nähe von Tschernobyl und damit die Gefahr, dass Radioaktivität freigesetzt wird.

Hilfe kommt zu spät - die Menschen in Russland werden langsam wütend

Umweltschützer sagen, vor allem die Politik von Regierungschef Wladimir Putin habe die Situation eskalieren lassen. Die Menschen seien aufgebracht, hat Krumbach in Russland beobachtet. Hilfskräfte träfen erst nach Tagen ein. Oder gar nicht. Die Eindrücke der vergangenen Tage hinterlassen Spuren. "Abends bin ich müde. Mein Fernseher bleibt ausgeschaltet. Ich kann die Bilder nicht mehr sehen."

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