Anti-Islam-Aktionen überschatten den Gedenktag anlässlich der Terroranschläge.

Nahe dem Ground Zero demonstrieren Gegner der geplanten Moschee mit Plakaten und lauten Rufen.
Nahe dem Ground Zero demonstrieren Gegner der geplanten Moschee mit Plakaten und lauten Rufen.

Nahe dem Ground Zero demonstrieren Gegner der geplanten Moschee mit Plakaten und lauten Rufen.

Reuters

Nahe dem Ground Zero demonstrieren Gegner der geplanten Moschee mit Plakaten und lauten Rufen.

Washington. Der neunte Jahrestag war anders. Zwar läuteten die Kirchenglocken wie um 8.46 Uhr in ganz New York. Zu diesem Zeitpunkt stürzte vor neun Jahren - am 11. September 2001 - das erste von Terroristen gesteuerte Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers. Im klagenden Ton erinnerten die Glocken an die fast 3.000 Menschen, die von islamistischen Piloten getötet wurden. Doch mit Besinnung allein war es in diesem Jahr nicht getan. Vor zwei Jahren noch hatten zwei politische Gegner am 11. September ihren Wahlkampf ausgesetzt. Der heutige US-Präsident Barack Obama und sein damaliger republikanischer Herausforderer John McCain fanden, dass politischer Streit nicht in jeder Situation angemessen sei.

Niederländischer Rechtspopulist Wilders hetzt in New York

Das hat sich auf verstörende Weise geändert, schreibt die "New York Times" in einem Kommentar. Die Trauer wird überlagert von einer Mischung aus politischen und religiösen Kontroversen. Von einem Streit darüber, ob Muslime dort eine Moschee bauen dürfen, wo Terroristen im Namen Allahs ein Inferno anrichteten. Von der Drohung eines windigen Pastors, am 11. September einen Stapel Korane anzuzünden. In New York versuchten am Samstag Befürworter und Gegner der Moschee bei Demonstrationen, sich sozusagen gegenseitig totzuschreien. An der Demonstration der Gegner beteiligte sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders. "Wir dürfen denen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu geben", sagte er in einer Ansprache. New York dürfe nicht ein "neues Mekka" werden.

Haltung der Amerikaner gegenüber Muslimen verändert sich

Die aktuellen Debatten und hitzigen Diskussionen, die den Jahrestag begleitet haben, sind ein Zeichen dafür, dass sich die Haltung vieler Amerikaner zu den Muslimen im Land verändert. Experten sprechen von einer wachsenden Ablehnung. Laut einer Umfrage der "Washington Post" hat die Hälfte der US-Bürger eine schlechte Meinung vom Islam.

Vor dem Weißen Haus in Washington hat eine kleine Gruppe von Christen Koran-Seiten zerrissen. "Die Lüge, dass der Islam eine friedliche Religion ist, muss aufhören", sagte einer der sechs Christen, Randall Terry.

Die Koran-Verbrennung in Florida wurde abgesagt, aber iranische Studenten wollen heute dennoch vor der Schweizer Botschaft in Teheran demonstrieren. Dabei geht es um eine gestern im Staatsfernsehen ausgestrahlte Aufnahme, auf der ein mit amerikanischem Akzent sprechender Mann das Heilige Buch der Muslime anzündet. Ort und Zeitpunkt der Koranverbrennung waren in der Szene nicht erkennbar. Die Schweiz vertritt die Interessen der USA im Iran.

Auch nach der Absage der Koran-Verbrennung in Florida gab es in Afghanistan blutige Proteste gegen die Aktion, bei der zwei Menschen ums Leben kamen.

Dabei leben in den USA viel weniger Muslime als in vielen europäischen Ländern: Lediglich 2,5 Millionen unter 305 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 3,5Millionen Muslime bei rund 80 Millionen Einwohnern. Zudem gelten die Zuwanderer aus dem Morgenland in den USA als gut integriert. Doch was sind Zahlen, wenn es um Emotionen geht, wie sie der geplante Moscheebau am Ground Zero auslöst? Hinzu kommt ein Wahlkampf, der sich mehr denn je um die uramerikanische Mischung aus Politik, Patriotismus und Religion dreht. In weniger als zwei Monaten sind Kongresswahlen, und die Republikaner wollen einen Teil der politischen Macht zurückgewinnen, die Obama und seine Demokraten mit Mehrheiten in beiden Kongresskammern in der Hand halten.

Obama versucht zu retten, was noch zu retten ist

So versuchte Obama am 11. September denn, die Debatte zu beruhigen - wohl auch mit Blick auf das Ausland, besorgt darüber, dass der Wirbel um die Moschee und den radikalen Pastor das Ansehen der USA insbesondere in der islamische Welt nach dem Irakkrieg aufs Neue schwer beschädigen könnte. "Wir sind eine Nation unter einem Gott, wir mögen diesem Gott verschiedene Namen geben, aber wir sind eine Nation."

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