Hamburg (dpa) - Notfallpläne, Checklisten oder Warnsirenen - in vielen Bundesländern sind die Schulen auf drohende Amokläufe vorbereitet. Die Maßnahmen für den Ernstfall sind eng mit den Polizeistellen abgestimmt.

So wurde beim Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten ein erst im vergangenen Herbst vorgestelltes Konzept der Landesregierung angewandt - es verhinderte nach Polizeiangaben ein noch größeres Blutbad. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab, existieren verschiedene Handreichungen für die Schulen, aber es gibt auch Länder, die bisher noch nicht aktiv geworden sind.

Nach dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium mit 17 Toten im Jahr 2002 wurden nach Auskunft des Thüringer Innenministeriums die Aus- und Weiterbildungskonzepte für die Polizei in allen Ländern überprüft. In Thüringen sei das «Amok-Training» inzwischen ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Polizeibeamten. In Krisensituationen werde wie bei dem neuen Konzept in Baden- Württemberg verfahren: Beamte würden in Dreier-Trupps eingesetzt, um den Täter möglichst schnell zu fassen.

Für Thüringens Schulen gibt es einen Leitfaden zum Umgang mit Notfällen. Er sieht auch «Warnmechanismen» über Sirenen oder Klingeltöne vor. In Nordrhein-Westfalen sind nach dem Amoklauf von Emsdetten im Jahr 2006, bei dem 37 Menschen verletzt wurden und sich der Täter erschoss, Notfallpläne für die Schulen erarbeitet worden. In Niedersachsen war dagegen das Drama von Winnenden Anlass dafür, dass das Landeskriminalamt noch am selben Tag an alle Schulen Verhaltenshinweise zum Schutz vor Amokläufen schickte. Es sei sofort mit Trittbrettfahrern zu rechnen gewesen, begründete dies ein Sprecher. Die Schulen finden in dem Informationsheft unter anderem eine Checkliste für den Umgang mit Drohanrufen oder Drohbriefen.

Hamburg setzt auf ein - laut Behörden einzigartiges - Konzept: Die Beratungsstelle Gewaltprävention habe rund 20 Mitarbeiter der Bildungsbehörde für die Intervention bei Krisen ausgebildet, sagte Leiter Christian Böhm. Außerdem liegt in jeder Schule ein «Krisenordner» mit Hinweisen zum Krisenmanagement bereit. In Bremen gibt es ebenfalls bereits seit längerem Notfallpläne an den Schulen, in Rheinland-Pfalz einen «Leitfaden für Krisenintervention» für alle Schulen. In Brandenburg existiert so etwas dagegen bisher nicht.

In Berlin hat die Schulverwaltung eine 124 Seiten umfassende Anleitung zum Verhalten in Krisensituationen an jede Schule herausgegeben. Nach Angaben von Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) wird derzeit zudem an einem einheitlichen Warnsystem gearbeitet. Er sagte der «Berliner Zeitung» (Samstag), bisher sei geplant, ein bestimmtes Signal über die Schulklingel zu verbreiten.

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