Entscheidung, keine neuen Migranten zu versorgen, führt zu bundesweitem Echo.

Essen. Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine neuen Migranten mehr als Bedürftige aufzunehmen, stößt auf überwiegend heftige Kritik. „Den Essener Weg können wir so nicht nachvollziehen“, sagte der Vorsitzende des Dachverbands der Tafeln, Jochen Brühl. „Für Tafeln zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft“. Ähnliche Fälle in Deutschland seien nicht bekannt.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Tafel in Essen seit Mitte Januar nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kundenkartei aufnimmt. Grund sei ein Anstieg des Anteils der Migranten an den Kunden auf etwa drei Viertel. In den vergangenen zwei Jahren hätten sich gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hieß es.

Der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in NRW, Christian Woltering, bezeichnete den Aufnahmestopp als „Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten“. Zugleich äußerte er Verständnis für den Druck, unter dem die Tafeln stünden.

Lob für den Entschluss war aus den Reihen der AfD zu hören. „Den schleichenden Verdrängungsprozess alleinerziehender Mütter und älterer Tafel-Nutzerinnen durch die Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen will man so nicht hinnehmen“, kommentierte die Partei auf Twitter. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert teilte mit, Asylbewerber hätten „bei der Tafel nichts zu suchen.“ lnw

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