Peter Scholl-Latour sitzt auf der Talkshow-Couch und regelt die Krisen dieser Welt. So kennen die Deutschen diesen rastlosen Chronisten allen Elends zwischen Saigon und Guantanamo, zwischen dem Khyber-Pass und dem Ussuri. Doch anders als viele Kollegen gibt Scholl-Latour nicht nur aus der sicheren Entfernung des TV-Studios seine häufig ebenso provozierenden wie richtigen Diagnosen ab, sondern war auch immer live dabei: Vietnam kannte er als französischer Soldat im Indochinakrieg 1945 bis 1947, später - schon Journalist - als Gefangener des Vietkong.

Seit der Islam den Kommunismus als "Reich des Bösen" ersetzt hat, ist die Meinung des ausgewiesenen Nahost-Kenners umso mehr gefragt. Aber gleich, wonach man den gebürtigen Bochumer mit elsässischen Wurzeln fragt, stets fühlt er sich bei aller Detailkenntnis für das ganz große Rad der Weltpolitik zuständig. Wie einst Grzimek im Fernsehen die alleinige Zuständigkeit für die Tiere hatte, ist Scholl-Latour der einzig verbliebene approbierte Welterklärer für Geostrategie und politisches Unheil. Am Montag wird Scholl-Latour, immer noch einer der populärsten deutschen Fernsehreporter, 85 Jahre alt. Red

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