Jose Luis Zapatero kann man eines sicher nicht vorwerfen: dass er kein überzeugter Europäer ist. Die Welt brauche "ein starkes Europa, das seine Führungsrolle auszuüben weiß", sagt der spanische Regierungschef Jose Luis Zapatero (49), der im ersten Halbjahr 2010 als turnusmäßiger EU-Ratsvorsitzender amtiert. "Bambi" wird Zapatero wegen seiner Unschuldsmiene in seinem Heimatland gerufen. Oder neuerdings, als lebendes Gegenbild zu "Superman", auch "Sosoman" - "soso" heißt im Spanischen "fade" oder "langweilig".

Zwar ließ Zapatero vorübergehend die Welt durch gesellschaftliche Reformen im katholischen Spanien aufhorchen: Homo-Ehe, Express-Scheidung, Frauenrechte, Familien- und Pflegehilfen, Liberalisierung der Abtreibung. Er baute sein eher konservatives Land zu einem modernen Staat um. Doch notwendige Reformen verschlief er: Als Spaniens Konjunkturmotor, der aufgeblähte Immobilienmarkt, kollabierte, stürzte die ganze Wirtschaft ab - auch der Tourismus, das zweite Standbein Spaniens. Und ein Ersatzmotor ist nicht in Sicht. "Ich bin Optimist", versichert Zapatero gerne. Doch das wird seinen sinkenden Stern vermutlich auch nicht retten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer