Hans-Christian Ströbele (70), stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat seinen Status als Ikone der Altlinken bei den Bundestagswahlen gefestigt: Zum dritten Mal in Folge ist dem einstigen RAF-Anwalt das Kunststück gelungen, ein grünes Direktmandat zu gewinnen.

Mit 46,8 Prozent der Erststimmen deklassierte er in seinem Berliner Wahlkreis Kreuzberg/ Friedrichshain die Konkurrenz. Damit konnte er seinen Stimmenanteil gegenüber den Wahlen von 2002 und 2005 sogar noch ausbauen.

Im Gegensatz zu den grünen Realpolitikern an der Parteispitze neigt Ströbele zur unermüdlichen Renitenz gegen den politischen Mainstream. Eine Standhaftigkeit, die im linksalternativen Biotop Kreuzberg/Friedrichshain gut ankommt und Grundlage seiner Wahlerfolge ist. Ströbele outet sich lautstark als Pazifist und lehnt Auslandseinsätze der Bundeswehr ab.

Er schwingt sich zum Sprachrohr der Cannabis-User und Graffiti-Sprayer auf, indem er deren Treiben entkriminalisieren will. Aufsehen erregte der Politiker, als er einen muslimischen Feiertag in Deutschland einführen wollte. Genüsslich lebt Ströbele seine Rolle als Exot aus - und ist längst eine parlamentarische Kultfigur.

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