Dieter Graumann (59) schweigt noch zu seinen Zukunftsplänen. Doch wenn er kandidiert, ist er der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge Charlotte Knoblochs an der Spitze des Zentralrats der Juden.

In der jüdischen Gemeinde Frankfurts hat sich der bisherige Zentralratsvize den Ruf eines wortgewandten Machers erarbeitet. Mit Graumann würde eine neue Ära in der Geschichte des Zentralrats eingeläutet.

Er gehört zu der Generation von Juden, die den Massenmord der Nazis nicht selbst erlebt haben. Er wurde 1950 in Israel geboren. Kurze Zeit später zogen seine Eltern - zwei Holocaust-Überlebende - mit ihm zurück nach Deutschland.

Im Zentralrat der Juden fiel Graumann oft als geschickter Verhandler auf. Er könnte bald auch für eine Neuausrichtung der Organisation stehen. "Wir müssen raus aus dieser schrecklichen Opferrolle. Wir müssen deutlicher machen, wofür wir sind, nicht wogegen", hatte Graumann kürzlich in einer Rede gesagt.

Beobachter erwarten daher, dass sich der Zentralrat unter ihm als Präsidenten nicht mehr so stark auf das Thema Holocaust konzentrieren, dafür aber mehr in andere gesellschaftspolitische Debatten einschalten würde.

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