Imrali. Abdullah Öcalan führte jahrelang den bewaffneten Kampf gegen die türkische Regierung. Deshalb verbüßt der ehemalige PKK-Chef auf der Gefängnisinsel Imrali seit 1999 im Marmara-Meer auch eine lebenslang Haft. Als einziger Häftling hat Öcalan dort viel Zeit, um über Politik nachzudenken. Das tut er - mehr als es der türkischen Regierung lieb ist.

Nach dem Vorbild der (bislang wenig erfolgreich verlaufenden) Friedensverhandlungen im Nahen Osten hat Öcalan in seiner Zelle einen Friedensplan zur Lösung des Kurdenkonflikts entwickelt. In seiner "Road Map" schlägt er vor, den türkischen Staat anzuerkennen, fordert aber weitgehende Autonomie für die Kurden. Sein "Friedensplan" sollte bereits am 15. August, zum 25.Jahrestag des ersten blutigen Angriffs der PKK, vorgestellt werden. Doch der PKK-Chef hatte seinen von Hand geschriebenen Text noch nicht fertig.

Am Mittwoch nun wollten seine Anwälte mit einem Boot zur Insel hinausfahren und das Werk in Empfang nehmen. Aber der Motor streikte. Heute soll es einen neuen Anlauf geben. Doch Staatspräsident Abdullah Gül hat Gespräche mit Öcalan bereits kategorisch ausgeschlossen - mit oder ohne "Road Map".

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