Nach dem Einsturz des Historischen Archivs werden immer noch zwei Menschen vermisst.

Kölns geschockter OB Fritz Schramma vor den Archiv-Trümmern: „Jetzt müssen alle Gebäude mit Setzrissen überprüft werden.“
Kölns geschockter OB Fritz Schramma vor den Archiv-Trümmern: „Jetzt müssen alle Gebäude mit Setzrissen überprüft werden.“

Kölns geschockter OB Fritz Schramma vor den Archiv-Trümmern: „Jetzt müssen alle Gebäude mit Setzrissen überprüft werden.“

Reuters

Kölns geschockter OB Fritz Schramma vor den Archiv-Trümmern: „Jetzt müssen alle Gebäude mit Setzrissen überprüft werden.“

Köln. Nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln hat Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) U-Bahn-Bauten in dicht bewohnten Gebieten oder Städten in Frage gestellt. Diese gehörten "auf den Prüfstand", sagte Schramma gestern an der Unglücksstelle in der Kölner Südstadt.

Angesichts der bisherigen Zwischenfälle beim Bau der unterirdischen Nord-Süd-Stadtbahn in Köln halte er solche Vorhaben für "fast unverantwortlich".

Zwei Menschen galten am Mittwoch weiter als vermisst. Falls sie unter den Trümmern begraben liegen, geben ihnen Experten kaum Überlebenschancen. Die Bergungsarbeiten kamen am Mittwoch allerdings kaum voran. "Das Betreten weiter Teile der Einsturzstelle ist für die Einsatzkräfte zu gefährlich", sagte der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme.

Nach ersten Erkenntnissen hatte ein Erdrutsch in dem Gleiswechselbauwerk unterhalb des Archivs am Dienstag zum Einsturz des Gebäudes geführt.

Auch im Kölner Rathaus gibt es Setzrisse

"Der U-Bahn-Bau in der Großstadt wird für mich grundsätzlich zum Problem", sagte Schramma. "Viele historische Gebäude können es nicht vertragen, wenn große Erdmassen bewegt werden." Sogar am Rathaus gebe es Setzrisse. Die Politik müsse nun prüfen, "ob man solche Vorhaben überhaupt noch mal starten kann".

Die größte Gefahr beim Bau von U-Bahnen sind nach Ansicht von Experten unzureichende Messungen an bestehenden Gebäuden. Solche Messungen seien sehr teuer.

In der Regel wird zunächst der Bauzustand aller Gebäude nahe der geplanten Röhren dokumentiert. Diese Liste macht es einfacher, spätere Schäden durch den Tunnelbau zu belegen. Zu den häufigsten Schäden zählen Risse in den Fassaden.

Dennoch soll der Weiterbau der Kölner U-Bahn, die auf 20-jähriger Planung beruht, nicht gestoppt werden. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass an anderen Stellen in der Stadt ähnliche Gefahr droht", sagte der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe, Jürgen Fenske. Auch in Düsseldorf wird die U-Bahn weiter gebaut. "Man hört wegen eines solchen Unglückes nicht auf, U-Bahnen zu bauen", so Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU).

Aus Sicht des Braunschweiger Bauingenieurs Joachim Stahlmann lässt sich eine U-Bahn grundsätzlich problemlos auch durch dicht besiedeltes Gebiet bauen. "Wenn man den Baugrund vorher genau erkundet, die erforderlichen statischen Berechnungen durchführt und dann das Ganze messtechnisch überwacht, kann außer Schönheitsrissen nicht so viel passieren."

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